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unerhört: Jetzt will er – aber ich nicht mehr!

Unsere Themen in dieser Woche: Er wollte zunächst keine Beziehung. Jetzt will er – aber ich nicht mehr! Und: Er chattet mit anderen Frauen

Frage:
Kann ich ihm trauen, dass er jetzt doch eine Beziehung und keine Affäre möchte?

Vor etwa einem Jahr habe ich einen Mann kennengelernt. Es begann als Affäre, doch mit der Zeit entwickelten sich Gefühle für ihn. Aber er lehnte eine Beziehung mit mir ab, da es ihm zu schnell ginge und er nicht genug Gefühle für mich empfinden würde. Vor ein paar Wochen änderte sich sein Verhalten plötzlich. Gemeinsame Unternehmungen, er kocht für mich, Treffen ohne Sex, mehr Zärtlichkeit zwischen uns, Mitbringsel aus dem Urlaub usw. – sein ganzer Ton mir gegenüber hat sich verändert. Er sagt, er würde es mit mir versuchen wollen und, dass er die Zeit gebraucht hat. Doch jetzt bin ich misstrauisch, können sich Gefühle einfach so verändern? Was ist der Auslöser, dass er auf einmal doch eine Beziehung möchte ?

bzw. Antwort:
Warum sind Sie misstrauisch und nicht glücklich?

Sie sind verunsichert, das ist verständlich. Aus der Ferne lässt sich nicht beurteilen, was Ihren Kontakt beschäftigt. Ich möchte Ihnen stattdessen ans Herz legen, Ihre Frage anders zu formulieren und an sich selbst zu stellen: Was war der Auslöser, dass Sie nun keine Beziehung mehr mit ihm möchten? Sie schreiben – in einer auffälligen, neutralen Formulierung – dass sich „Gefühle für ihn entwickelt hätten“. Sie wirken auf mich dadurch sehr distanziert von Ihrem eigenen Gefühlsleben, wie eine außenstehende Beobachterin. Genau diesen Blickwinkel könnten Sie nun einnehmen und untersuchen: Weshalb bereitet Ihnen Ihr frühere Wunsch nach einer Beziehung mit ihm nun Unbehagen. Wann hat sich bei Ihnen etwas geändert? Und warum?

Ob das auf Sie zutrifft, kann ich aus Ihrem Schreiben nicht entnehmen, aber ich erlebe in der Beratung viele Fälle, in denen ein Partner unbewusste Bindungsängste derart verarbeitet, dass er / sie Beziehungen eingeht mit bindungsunwilligen Partnern. Das ist ein insgeheim geschaffener Schutzwall vor zu viel Nähe – ohne Vorwürfe und Sorgen, dass aus dem Wunsch Wirklichkeit werden könnte. So werden Ängste umgangen und die Fantasie über die gemeinsame Beziehung wird oft euphorisch und überbordend erlebt – eben weil sie ja nie Realität werden wird. Die Ängste greifen jedoch sofort, wenn die Wirklichkeit den Schutzwall durchdringt. Vielleicht möchten Sie für sich selbst überprüfen, was sich an Ihren Gefühlen wie und wann verändert hat. Und welche seiner Verhaltensweisen – falls überhaupt – dafür Auslöser waren.

Gleichzeitig sollten Sie ihn genau das fragen, was Sie uns geschrieben haben: Was ist bei dir passiert? Was ist anders geworden? Denn vielleicht ist tatsächlich das geschehen, was beispielsweise oft bei Beziehungen geschieht, die im Arbeitsumfeld startete: Personen, die sich lange kennen, erleben sich unerwartet in einer neuen, ungewohnten Situation, die aus einem Kollegen plötzlich einen potentiellen Liebespartner macht. Es genügt ein Satz, eine unerwartetes Verhalten, eine ungeahnte Fähigkeit … Warum sollte ihm denn nicht bewusst geworden sein, dass Sie eine wundervolle Partnerin für mehr als eine Affäre sein könnten?

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Frage: 
Mein Mann chattet mit anderen Frauen. Was kann ich tun?

Mein Mann chattet regelmäßig mit anderen Frauen. Das macht er schon seit Jahren. Immer und immer wieder. Er schreibt über Sex und versendet Fotos von sich. Wir sind eine glückliche Familie, aber das Ganze macht mich so kaputt, dass ich schon in seinem Handy spioniere und kurz davor bin mich zu trennen. Er sagt, er liebt mich und das sei nur virtuell. Was kann ich tun ?

bzw. Antwort:
Sie können alles tun. Was hält Sie davon ab?

Was möchten Sie denn tun? Und warum setzen Sie Ihren Wunsch nicht um? Wo Treue und Untreue aufhören und beginnen, definieren die Partner für sich als Paar. Aber eben nicht jeder Partner für sich allein. Sie und Ihr Mann stehen sich da sehr konträr gegenüber und das ist ein schwer lösbarer Konflikt. Wie Sie schreiben, geht das seit Jahren so. Das kann bedeuten, dass Sie sein Bedürfnis nach Flirt und Anerkennung außerhalb Ihrer Beziehung entweder nicht von Anfang an gewusst haben, dass Sie sein Verhalten bisher als nicht wichtig erlebt haben, dass Sie sich seit Jahren darüber streiten oder dass es jetzt plötzlich für Sie zum Problem geworden ist. Von außen betrachtet drängt sich die Frage auf: Was hat sich jüngst verändert, warum Sie diesen Jahre andauernden Konflikt heute als Trennungsgrund erleben. An dieser Stelle würde ich ansetzen, denn diese Veränderung betrifft Sie und nicht Ihren Partner. Er macht das, was er seit Jahren macht. Für Sie ist die Grenze nun überschritten.

Was können Sie nun tun? Sie könnten gemeinsam mit Ihrem Partner eine Beratung aufsuchen und herausfinden, warum Ihr Partner überhaupt das Bedürfnis hat, mit anderen Frauen zu chatten, welche Gründe er angibt, welche Auslöser es gibt und welche Befriedigung er sich dadurch erhofft und ob er so eine Form von Anerkennung und Lob erfährt, die er sonst beispielsweise im Beruf, in der Familie, in der Ehe nicht erlebt. Das ist der positive Blick, der von Ihnen eine Menge Offenheit erfordert. Sie möchten, dass Ihr Mann sein Verhalten für Sie ändert. Nachhaltig gelingt dies nur, wenn er das selbst möchte. Sehen Sie nach den Jahren überhaupt eine Chance, dass er so auf Sie zugehen würde?

Ich bin sicher, dass Sie viele Antworten auf Ihre Fragen bereits in sich tragen. Prüfen Sie für sich: Wie beeinflusst dieser Konflikt unsere Paar-Dynamik? (Es könnte beispielsweise sein, dass er durch sein Verhalten Freiraum für sich erkämpfen möchte und es ihm nicht um Befriedigung geht. Dann könnten Sie verhandeln, welche Alternative es für ihn gäbe, diesen Freiraum zu erleben.) Wie zeigen wir uns als Paar unsere gegenseitige Wertschätzung und Liebe? Welche „Sprache der Liebe“ bevorzugen wir und bevorzugen wir beide dieselbe?

In jeder Beziehung gibt es Konflikte, die sich nicht mit einem Kompromiss zur vollen Befriedigung beider Partner lösen lassen. Wie Sie damit umgehen können, lässt sich beispielsweise in einer Beratung oder einem Coaching besprechen. Meine Überzeugung ist, dass Liebe diese Anstrengung wert ist. Denn Sie haben als Paar immer mehr Möglichkeiten, mit einem solchen Konflikt umzugehen, als Sie es zunächst selbst wahrnehmen.

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Über den Autor/die Autorin

Eric Hegmann

Liebe macht glücklich. Unser CLO (Chief Love Officer) verantwortet die redaktionellen Inhalte von beziehungsweise. Eric Hegmann ist Autor zahlreicher Bücher rund um Partnerschaft und Partnersuche und berät Singles und Paare. Er arbeitete in leitenden Positionen für viele große Verlagshäuser in Deutschland. Der Wahlhamburger ist verheiratet und lebt und arbeitet seit 25 Jahren neben der berühmtesten "Liebes-Meile" der Welt: der Reeperbahn.