unerhört: Verliebt in meine Affäre

Seit zwei Jahren haben sie eine Affäre. Sie ist vergeben, er ist vergeben. Aber sie würde sich umgehend von ihrem Freund trennen, würde ihr Liebhaber sie nur darum bitten.

Frage: Ich weiß, dass das so nicht weitergehen kann. Bin ich ein schlechter Mensch?

Ich bin in meine Affäre verliebt. Ja, eine klischeehafte Situation. Vor zwei Jahren habe ich ihn kennengelernt. Damals steckte ich seit einigen Jahren in einer unglücklichen Beziehung. Als wir uns begegneten, fühlten wir uns sofort zueinander hingezogen. Wir kamen ins Gespräch, verstanden uns wunderbar und tauschten Nummern aus.

Ich erfuhr, dass er schon viele Jahre eine Freundin hatte. Wir trafen uns dennoch. Wir waren beide schüchtern, es passierte nichts. Unser zweites Treffen wenige Tage später war bei ihm zuhause. Seine Freundin war über das Wochenende weggefahren. Es kam, wie es kommen sollte.

Das zieht sich jetzt schon seit zwei Jahren so. Anfangs habe ich zwischenzeitlich den Kontakt unterbrochen – was aber nicht länger als eine Woche gehalten hat –, weil ich ihm sagte, dass er mich verwirrt und ich zu oft an ihn denke, als dass es normal ist. Er wollte trotzdem weiter mit mir schreiben und mich nicht verlieren, wie er immer wieder beteuerte.

Heute schreiben wir zwar nicht mehr jeden Tag miteinander, aber mehrere Tage in der Woche. Unsere Treffen sind zwar unregelmäßig, aber ein paar Mal im Monat. Sein Terminkalender lässt nicht mehr zu. Vor ein paar Wochen schrieb er mir angetrunken „love you“ und das mindestens fünfmal an dem Abend. Darüber haben wir nie wieder ein Wort verloren.

Zu Beginn unserer Affäre machte er mir die Hoffnung, dass wir zusammenkommen könnten, weil es mit seiner Freundin ebenfalls nicht mehr wirklich gut laufe und er mich wolle. Er meinte dabei, dass er nicht möchte, dass ich mal einen neuen Freund habe, denn dann könnte er ja nie mit mir zusammen sein.

So ein Gespräch führten wir seitdem nicht mehr. Er fragt mich immer wieder, wie es mit meinem Freund läuft und ich erzähle ihm, dass ich unglücklich bin und mich trennen möchte, aber einfach momentan zu feige bin, das durchzuziehen, da er sehr labil ist. Ich habe Angst, dass er das nicht verkraftet.

Außerdem hatte ich bis jetzt keinen wirklichen Anstoß diese Trennung durchzuziehen. Vielleicht, weil ich einfach davor Angst habe, allein zu sein? Keine körperliche Nähe (wie Umarmungen und Kuscheln) mehr zu spüren? Würde er mich darum bitten, wäre ich aber vermutlich längst getrennt.

Ich weiß, dass das so nicht weitergehen kann, vor allem, weil ich seit einiger Zeit spüre, dass meine Gefühle für ihn immer stärker werden. Dabei ist es falsch. Falsch wegen meines Freundes und wegen seiner Freundin, falsch wegen meiner Gefühle für ihn. Ich traue mich einfach nicht ihm zu sagen, was ich wirklich für ihn fühle. Ich habe einfach Angst, dass er meine Gefühle nicht erwidert, sich nicht von seiner Freundin trennen möchte oder er den Kontakt zu mir abbricht und ich ihn nie wiedersehe.

Ich will aber auch nicht mehr nur die zweite Frau sein, die Affäre. Ich will seine Freundin sein. Auch wenn ich Angst habe, dass er dann vielleicht später erneut eine Affäre haben könnte. Stimmt es, dass Männer sich anscheinend nie ändern?

Ich weiß einfach nicht, was ich von dieser gesamten Situation halten soll, ich weiß nicht, wie ich ihm meine Gefühle gestehen soll oder ob ich das überhaupt machen sollte. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt von Angesicht zu Angesicht machen kann. Mir ist egal, ob ich seine Beziehung dabei zerstöre oder seine Freundin verletzt wird. Bin ich deswegen ein schlechter Mensch?

Ich weiß nur, dass ich in ihn verliebt bin und dass ich sofort mit ihm zusammenkommen würde, würde er mich das fragen.


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