Warum ist Dating so frustrierend geworden?

Bereitet Dating heute überhaupt noch Freude? Oder ist das Suchen und Finden eines neuen Partners nur noch Quälerei?

Siegestrophäe Traumpartner

Dem Bedürfnis nach Beziehungs- und Liebesglück gegenüber steht der Pragmatismus: Zwar werden wieder weniger Ehen geschieden, sie dauern länger und es wird auch wieder mehr geheiratet, aber dennoch scheitern gut ein Drittel. Abfällig als Lebensabschnittsgefährte bezeichnet, wird der Partner oft Übergangswahl bis zum nächsten. Serielle Monogamie nennt sich dieses Phänomen, wenn Menschen lange, monogame Beziehungen beenden, um die nächste zu beginnen. Das ist keine Wahllosigkeit, eher eine Mercedes-Mentalität: Das Beste, nicht das Zweitbeste, wollen wir. Das führt dazu, dass sich viele Paare nicht trennen, weil sie unglücklich sind, sondern weil sie vermuten, mit einem anderen Partner glücklicher werden zu können.

Doch warum geben sich viele nicht mit dem Zweitbesten zufrieden? Ganz gewiss auch, weil wir beeinflusst werden von Büchern, Filmen und Serien, von Bildern aus Social Media wie Instagram und Versprechungen von Dating-Apps. Dieses Phänomen nenne ich „Disneyfizierung der Liebe“. Eine Flucht in Traumwelten, ausgelöst durch den Wunsch nach einer Sicherheit, die ausgerechnet die Liebe geben soll. Und je unsicherer uns die Welt um uns herum erscheint, umso wichtiger wird die Geborgenheit und Nähe, die in einer Partnerschaft erhofft wird. Und weil dieses Bedürfnis so groß ist, ist die Angst so groß, sich falsch zu entscheiden. Skepsis und Pessimismus erwachsen aus schmerzhaften Erfahrungen und so verständlich sie sind, so hinderlich sind sie auch. Sie gedeihen durch die Furcht vor erneuter Zurückweisung, vor erneuter Trennung.

Dating-Phänomene sind Schutzstrategien vor Verletzungen

Mit jeder Zurückweisung und Enttäuschung entwickeln sich beinahe zwangsläufig Überzeugungen wie: “Das wird wieder nichts”, “Mit dem stimmt doch etwas nicht”, “In drei Monaten ist das sowieso wieder vorbei.” Damit eine Beziehung die Kennenlernphase der ersten Monate überstehen kann, braucht es jedoch die Überzeugung, dass eine neue Partnerschaft möglich ist.

Wer daran nicht glaubt, wirkt einerseits nicht anziehend, denn Pessimisten küsst niemand gerne, und andererseits sorgt er für die sich selbst erfüllende Prophezeiung, und dann wird daraus auch sicher nichts. Um zu verhindern, dass man erneut enttäuscht und verletzt wird, nimmt man nun Schutzstrategien an. Manche Singles werden überkritisch, sie suchen geradezu nach Fehlern oder Anzeichen, dass man nicht zusammen passt, um lieber früh sich zurückziehen zu können, bevor die Liebe groß genug geworden ist, dass die Trennung zu schmerzhaft wird.

Jede Trennung hinterlässt eine Narbe und erzeugt den Wunsch, eine weitere Verletzung zu vermeiden. Je mehr Trennungen wir erleben, umso mehr Vermeidungsstrategien probieren wir aus und nehmen wir an. Das Problem an diesen Verhaltensweisen ist jedoch, dass wir damit unsere Ängste und Glaubenssätze sogar festigen. Gefährliche negative Überzeugungen und Glaubenssätze zu verändern, ist schwer – aber nicht unmöglich. Ein Ansatz ist, die Schutzstrategien zu erkennen, die wir wegen dieser Überzeugungen uns angeeignet haben. Jeder bevorzugt andere Schutzstrategien, allen aber ist gemeinsam, dass sie wahre Bindung verhindern, weil sie von Angst geprägt sind, verletzt zu werden.

Liebe finden ist nach wie vor möglich

Diese Angst zu überwinden ist die eigentlich Kunst der Partnersuche und die große Herausforderung. Es braucht Mut und Vertrauen. Nicht nur gegenüber anderen, auch gegenüber sich selbst. Es heißt, man müsse sich nur selbst genug lieben, dann würde das schon alles glatt gehen. Aber wie soll man sich lieben, wenn man permanent denkt: „Was stimmt nicht mir, dass ich keinen Partner finde?“

Nach meiner Erfahrung wäre es schon ein gewaltiger Fortschritt für viele, mit sich selbst befreundet zu sein, die eigenen Schwächen und Fehler annehmen zu können und zu erkennen, dass diese immer auch Stärken sein können – vielleicht auch nur in anderen Situationen. Am Ende entscheidet der Selbstwert über den Erfolg in der Liebe, denn der Selbstwert ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Bindungsverhaltens, das unsere Partnerwahl und unseren Wunsch nach Nähe und Distanz steuert.

Bist du mit dir selbst im Reinen – und nutzt du Gelegenheiten, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten – dann wirst du nicht suchen, sondern du wirst gefunden. Sei selbst der Partner, den du dir wünschst – und genau solche Partner wirst du dann anziehen.

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