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Unsere Mercedes-Mentalität vergiftet die Liebe

„Das Beste oder nichts“ heißt es in einem Werbespot. Dieser Anspruch hat sich längst auch auf unsere Beziehungen übertragen. Sind wir eigentlich verrückt geworden?!

Letzten Monat, Anfang Dezember, hat es richtig gekracht. Ein guter Kumpel von mir hat sich von seiner Freundin getrennt – nach fast sechs Jahren. Wir trafen uns zur Lagebesprechung auf dem Weihnachtsmarkt. „Warum nur?“ fragte ich ihn fassungslos. Und was er mir dann erzählte, schockierte mich, gelinde gesagt: „Es hat mir einfach nicht mehr gereicht. Diese Mittelmäßigkeit. Ich hatte immer stärker das Gefühl, dass da etwas fehlt. Wir hatten eine gute Beziehung, das weißt du. Trotzdem hätte alles besser sein können.“ Nach einem weiteren Glühwein fügte er dann noch hinzu: „Ich musste langsam mal den Absprung schaffen. Ich lebe nur einmal, und ich will, dass dieses eine Mal richtig geil wird, nicht nur ein bisschen geil.“ Der saß. Ich musste das Gehörte erst mal sacken lassen, bevor ich mir langsam einen Reim drauf machen konnte.

Unser ständiges Aus-, Nach- und Verbessern

Ich habe da so eine Vermutung: Wir 20- bis 35-Jährigen haben es verlernt, wirklich zufrieden mit unseren Beziehungen zu sein. Wenn wir denn überhaupt eine Beziehung haben. Wir schleppen eine irrsinnig lange Liste von Ansprüchen an unsere Partner mit uns herum. Aber in Wirklichkeit, das ist meine zweite Vermutung, richten sich diese überzogenen Ansprüche an uns selbst. Denn wir sind eine Generation von Selbstoptimierern, die übers ständige Aus-, Nach- und VerBESSERn eine wichtige Sache vergessen: Einfach mal zu sagen „Mein Leben und meine Beziehung sind schon gut genug! Mehr darf, muss aber nicht unbedingt sein!“

Bei Schiller hieß es im Lied von der Glocke noch: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!“ Heute lautet es verballhornt wohl eher: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bessres findet!“ Es ist ein bisschen wie beim tindern: Warum einen Chat mit dem neuen Match starten, wenn da gleich ein noch hübscherer Kerl kommen könnte?

Die Mercedes-Mentalität: Das Beste oder nichts!

In der Mercedes-Werbung heißt es: Das Beste oder nichts. Das ist ein ziemlich hoher Anspruch. Das Problem ist aber: Wir sind keine Autos, sondern „nur“ Menschen. Wenn wir die Mercedes-Mentalität auf den Bereich der Liebe übertragen, können wir langfristig nur scheitern und unglücklich werden.

Viele von uns suchen heute nicht mehr den richtigen und passenden Partner, kurz: einen guten Partner, sondern nach DEM EINEN Partner. Aus Mr. & Mrs. Right wurden Mr. & Mrs. Perfect. Gesehen hat die zwar noch niemand – außer in unseren Traumwelten. Aber das macht nichts. Solange man fest dran glaubt und nicht aufgibt, werden sie sich eines Tages schon finden, hoffen wir.

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Über den Autor/die Autorin

André Martens

André Martens ist Philosoph und Psychologe. Er schreibt leidenschaftlich gern - nicht zuletzt über die Liebe. Ob wir uns diesem Phänomen mit Worten tatsächlich annähern können, ist seine große Lebensfrage. Und solange er die Antwort nicht kennt, schreibt er fleißig weiter.