Über die Romantik im Zeitalter des Massen-Datings

Singles in den besten Jahren noch und nöcher. Dating wird zum Volkssport. Unser Autor sehnt sich wieder nach mehr Romantik

Manchmal werde ich so richtig wehmütig, dass es mich sogar selbst erschreckt. Das passiert häufig dann, wenn ich an meine erste große Liebe zurückdenke. Relativ spät war das, am Ende der Schulzeit. Wir waren keine Kinder mehr, aber noch längst nicht erwachsen. Ja, ich sehne mich nach diesen Zeiten zurück. Nicht nach meiner ersten großen Liebe. Mit ihr habe ich lange abgeschlossen. Aber nach dem Wie mit ihr.

Wenn ich Freunde treffe und ihnen von meinen Flirts oder Beziehungen erzähle und sie mir von ihren, dann frage ich mich oft, was sich bloß innerhalb eines Jahrzehnts so sehr verändert hat. Sind wir einfach nur älter geworden? Stumpfer? Abgeklärter? Erfahrener? Na klar sind wir das. So ist das Leben nun einmal. Mit Anfang 30 hat man beziehungstechnisch einfach schon vieles erlebt, das nachhaltig prägt. Meist ist man dadurch etwas vorsichtiger und nüchterner geworden. Aber dann frage ich mich auch: Ist mein Älterwerden wirklich der einzige Grund dafür, dass ich im Laufe der Jahre etwas verloren habe, das damals für mich notwendig zur Liebe und zu einer Beziehung dazugehörte? Hat sich nicht auch unser aller Denken geändert und mit ihm die Beziehungskultur?

Was ich alles vermisse

In meinen wehmütigen Momenten vermisse ich: Leichtigkeit in der Liebe, Euphorie, Tiefe und – vor allem – Romantik. Damit will ich nicht sagen, dass in den Beziehungen, die auf meine erste folgten, diese Dinge überhaupt nicht vorkamen. Leider wurden sie bloß immer seltener oder komplizierter, und wenn ich meine Freunde, Männer wie Frauen, erzählen höre, geht es ihnen oft nicht anders. Zu viele junge Beziehungen scheinen heute ziemlich stumpf und dumpf zu sein.

Zuerst dachte ich: „Na klar, damals warst du vernarrt und überglücklich, dass du überhaupt mal eine Beziehung hattest. Damals bist du all in gegangen (um später damit auf die Nase zu fallen) und hast deine Freundin geradezu wie eine Göttin angehimmelt. Du warst jung, naiv und unerfahren.“ Ja, das stimmt alles. Aber es stimmt auch, dass es mir leichter fiel als heute, tiefe Gefühle zu empfinden. Mit meinen Möglichkeiten aufrichtig und mutig um ihr Herz zu kämpfen. Unsere Beziehung im Rahmen meiner Persönlichkeit phantasievoll zu gestalten. Heute ist das alles irgendwie schwieriger, anstrengender. Und ich stoße – mit Ausnahmen – seltener auf Resonanz.

Etwas fehlt einfach

Manchmal fühle ich mich ein bisschen wie einer dieser Männer an der Tankstellenkasse beim Zahlen: „Säule fünf, ach ja, und die Tulpen hier nehme ich auch noch mit für meine Frau.“ Der Wille ist vorhanden, die prinzipielle Bereitschaft, die Geste, vielleicht ja auch die aufrichtige Liebe. Aber etwas fehlt.


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