Hardballing: Brachte Corona die Verbindlichkeit zurück?

Hardballing oder Catching Up? Wollen Singles nun schnell den Richtigen finden oder lieber nachholen, was vorher nicht möglich war?

Statt Scheidungswelle brachte Corona einen Baby-Boom. Paralleles Dating ist out, weniger gute Kontakte sind mehr. Gespräche wurden tiefgründiger. Machte Corona Schluss mit der Unverbindlichkeit? Und was hat es mit dem neuen “Dating Trend” Hardballing auf sich?

Für Singles und Partnersuchende war die Corona-Zeit ein Kampf gegen Alleinsein und Vereinsamung. Gleichzeitig war in der Pandemie zu sehen: Ohne das Internet, in dem wir uns heute dank Smartphone 24 Stunden am Tag aufhalten, wären Isolation und Einsamkeit noch größer gewesen. Es zeigte sich als ein Segen, dass wir dort, wo wir uns ständig aufhalten, eben auch Kontakte knüpfen und vertiefen können. Nur: Online Dating stiftet zwar heute mehr Beziehungen als Freundeskreis oder Arbeitsplatz, gleichzeitig klagen jene, die dort vergeblich suchen, über Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit. Nun gibt es pünktlich zur geimpften Freiluft-Flirt-Saison (mal wieder) vermeintlich neue “Dating Trends“. Der neue “heiße Scheiß” wurde von einem Online Dating-Anbieter “Hardballing” getauft. Angeblich sei es jetzt total in, mit ganz harten Auswahlkriterien die Anzahl der potentiellen Kandidaten auf ein Minimum zu reduzieren. “Singles trauen sich endlich zu sagen, was ihnen wirklich wichtig ist, nämlich Verbindlichkeit und die Aussicht auf eine langfristige Beziehung, und vergeuden keine Lebenszeit mehr mit unpassenden Kontakten”, wird diese Strategie gelobt. Denn, so behaupten die Schöpfer des Begriffs, so würden weibliche Singles auf Treffen mit Männern verzichten können, mit denen sich Dates sowieso nicht lohnen würde. CEO Time Management trifft höchste Ansprüche.

Hardballing: Was ist an hohen Ansprüchen eigentlich neu?

Dating Trends ploppen in schönster Regelmäßigkeit auf und tapezieren Webseiten, weil jeder neuer Begriff das Potential von bisher ungenutztem Suchvolumen steigert. Wer früher nach “Dating Ansprüche Verbindlichkeit” googelt, sucht jetzt – so die Hoffnung – nach “Hardballing” und findet dann: jene Online Dating App, die diesen Begriff geprägt hat. Am Ende erweist sich der Dating Trend als eine Content Marketing Kampagne eines Anbieters, der eben bisher nicht für Commitment stand. Günstiger als weltweite Werbemaßnahmen ist so eine Aktion auf jeden Fall, da muss der PR Abteilung durchaus Respekt gezollt werden. Deshalb ist auch abzusehen, dass in den nächsten Monaten noch viele, viele Dating App Anbieter und Journalistinnen, Bloggerinnen und Influencerinnen von neuen “Trends” berichten werden. Vor einigen Jahren erlebten wir bereits nach dem Siegeszug der englischen Wortneuschöpfung Ghosting für den plötzlichen Kontaktabbruch eine Flut von Trends: Breadcrumbing, Benching … – jede Woche wurde ein neuer Suchbegriff, in Marketing-Deutsch “Keyword” genannt, durch den Medien-Wald gejagt. Nun also Hardballing. Aber: vielleicht ist ja an dem neuen Verhalten wirklich etwas dran?

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