Jeder hat sein Päckchen zu tragen – aber nur wenigen zeigen wir es

„Wir alle haben einen an der Klatsche – ich suche nun nach demjenigen, der noch die meisten Tassen im Schrank hat“

Hätte man mich früher danach gefragt, nach welchem Motto ich meine Partnersuche gestalte, so hätte ich dieses als Antwort gegeben. Fälschlicherweise, wie ich am eigenen Leib erfahren durfte.

Aus Angst nach der anfänglichen Phase des Verliebtseins durch ein düsteres Geheimnis aus der Vergangenheit total überrascht zu werden, nahm ich mir vor, jemanden zu suchen, der möglichst wenige Päckchen mit sich herumträgt.

Woran das liegt? Persönliche Erfahrung! In meiner ersten Beziehung lief im ersten halben Jahr mindestens einmal pro Woche ein Elefant durch den Raum. Erst als ich meinem damaligen Partner die Pistole auf die Brust setzte, rückte dieser mit der Sprache heraus, was für seine teilweise apathische und emotionslose Art verantwortlich war. Doch genau diese Erklärungen machten sein Verhalten mir gegenüber erst verständlich.

Natürlich erfuhr ich wie befreiend es ist, dieses Päckchen gemeinsam auszupacken, andererseits hat mich die Situation damals stark belastet. Nicht zu wissen, welche einschneidenden Erlebnisse den Partner oder die Partnerin in der Vergangenheit geprägt haben, macht es einfach schwierig ihn oder sie in wichtigen Situationen zu verstehen.

Warum legt man die Karten nicht sofort auf den Tisch?

Es war die Angst davor, sich verletzlich zu zeigen und die Angst vor meiner Reaktion, die damals den Ausschlag dafür gab, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sie vor mir zu verbergen. Inzwischen existiert der Elefant nicht mehr und ich bin wohl einer der wenigen Menschen, mit denen mein damaliger Partner seine Sorgen und Ängste geteilt hat. Noch heute verbindet uns diese Situation, auch wenn wir schon lange nicht mehr zusammen sind. Die Beziehung jedoch bekam damals mit dem erlösenden Gespräch einen positiven Schub und wir blieben noch einige Jahre glücklich zusammen.

Heute habe ich jemanden, der mir von Anfang an seine Karten offengelegt hat und aus seinen Päckchen nie einen Hehl machte. Und es tut mir gut. Auch ich habe so lernen können, mit meinen Schwächen offener umzugehen und ebenfalls von Anfang an mein Päckchen zu öffnen: Meine Angst davor, dass andere zu viele Päckchen mit sich herumtragen.

Das Leben besteht auch darin, hin und wieder mal einzustecken. Und jeder steckt in seinem Leben unterschiedlich viel ein. Jeder Mensch hat eine andere Art, mit dem Erlebten umzugehen.

Die Kunst besteht jedoch nicht darin, jemanden zu finden, der ein möglichst komplettes Set an Tassen hat, sondern denjenigen zu finden, der den Schrank von Anfang an öffnet und einem zeigt: „Hey, diese Tassen fehlen mir.” Mittlerweile weiß ich, dass es einer der größten Liebesbeweise ist, den Herzschmerz und die Enttäuschungen der Vergangenheit mit seinem Partner zu teilen und die Karten zu Beginn der Beziehung so offen zu legen, dass auf dem Tisch kaum noch Platz für anderes ist.


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