Geschichte des Suchenden #3

Micha ist Single und einer der Typen, die andere wohl als „Arschloch“ bezeichnen. Dabei ist er vor allem eines: Auf der Suche. Nach der Einen, nach der Richtigen. Und er nimmt uns mit auf diesen Weg – zu Dates und zu ersten Küssen, in Bars und Clubs. Und wer weiß: Vielleicht ja auch zu seinem Happy End?

Nach Isabell habe ich vor ein paar Tagen Anna kennengelernt. Sie ist die Freundin der Freundin eines Freundes. Klassiker, kennt man ja. Plötzlich steht da eine wunderschöne Frau, die man noch nie vorher gesehen hat und man fragt sich: Wieso bin ich ihr nicht früher begegnet? Wir gingen zu viert aus und Anna und ich unterhielten uns bis zum Morgengrauen über Gott und die Welt. Klingt perfekt, oder? War es auch. Trotzdem bin ich mit einem mulmigen Gefühl nach Hause gegangen.

Und das hat auch einen Grund: Immer mehr wird mir klar, dass ich mir bewusst machen muss, was ich mir eigentlich von einer Frau wünsche. Einer der Gründe, warum es mir so schwerfällt, mich auf jemanden einzulassen, ist, dass ich eigentlich an jedem Menschen etwas Schönes entdecken und finden kann. Ich bin schnell begeistert. Das ist eigentlich etwas Schönes, aber leider ist es nicht von Dauer. So schnell ich mich begeistern kann, so schnell kühlt dieses Interesse auch wieder ab. Und da fängt das Problem dann an.

Am nächsten Tag saß ich lange in meiner Wohnung und dachte darüber nach, dass ich so nicht weitermachen kann. Zu viele Scherben, zu viele gebrochene Herzen. Und was ist, wenn mir das Gleiche mit Anna passieren würde? Mein Kumpel wäre nicht gerade begeistert. Aber: Wie findet man eigentlich heraus, was man will? Was ist, wenn das, was einem dabei einfällt, so viel ist oder so gegensätzlich, dass kein Mensch alleine das jemals alles erfüllen könnte? Was ist, wenn meine Ansprüche einfach zu hoch sind oder ich niemals an den Punkt kommen werde, an dem ich mir sicher bin, dass jetzt wirklich keine Bessere mehr kommen kann?

Der Hund wusste wie immer zwar auch keinen Rat, aber wenigstens leistete er mir Gesellschaft. Und irgendwann schlief er neben mir ein und schnarchte leise vor sich hin. Und als ich ihn dort so liegen sah, dachte ich plötzlich: Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, immer genau zu wissen, was man will oder nicht will. Vielleicht ist es viel wichtiger, sich wirklich einlassen zu können. Wirklich Nähe zulassen zu können. Und der Rest ergibt sich dann ja von alleine, oder?

Ich habe Anna nicht angerufen, obwohl ich es gerne gewollt hätte. Aber so, wie ich mir vorgenommen habe, wirklich und endlich die Richtige zu finden, so habe ich mir an diesem Tag auch vorgenommen, den Dingen mehr Zeit zu geben. Sie auf mich zukommen zu lassen und nicht immer alles kontrollieren zu wollen. Wie schön, dass eine Begegnung, eine Nacht so etwas auslösen können. Denn am Ende geht es doch genau darum: etwas aus den Begegnungen zu lernen, nichts festzuhalten, nichts erzwingen zu wollen. Oder?

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