Meine Dating-Erfahrungen in Berlin – Als ich aufhörte mich zu rechtfertigen und zu teilen begann

Sex-Partys sind in Berlin kein großes Ding mehr

Sex-Parties sind ein weiteres Beispiel: In Köln eher selten und außer in bestimmten Cliquen und kleineren Szenen nicht wirklich präsent. Hier ist die Ernüchterung groß, dass es einfach keine Auswahl und allgemein nur wenige Events in naher Umgebung gibt. So kommt es kaum vor, dass Mann oder Frau über besondere sexuelle Erlebnisse auf Veranstaltungen dieser Art berichten würden. Wie kann das sein? Schließlich hat Köln doch national und teilweise auch europaweit einen sehr offenen Ruf. Die Schaafenstraße am Rudolfplatz ist recht bekannt und auch verschiedene Etablissements für Homosexuelle, vorrangig Männer, sind über die Grenzen hinweg bekannt. Es gibt aber auch unglaublich viele bisexuelle und homosexuelle Frauen, die ihre eigene Szene am Heumarkt haben. Der Christopher Street Day ist in der Stadt am Rhein ein Riesen-Event und Schwulenfeindlichkeit kennt man in Kölle nicht wirklich.

Über die Sex-Party Szene der Hauptstadt muss ich wohl nicht viel sagen. Hier scheint alles immer und überall möglich, Sex-Partys kennt jeder und die meisten waren auch schon dabei. Samstags im KitKat bekommt man diverse YouPorn Kategorien live und voller Erregung präsentiert. Auch wenn sich das Publikum geändert hat. Ja, früher war eben einiges anders:

Berlin ist ja eh nicht mehr das, was es mal war.

Zitat: alle

Egal, ich muss zugeben, ich war schon extrem fasziniert wie offen und provokant Sex in all seinen Facetten präsentiert und ausgeführt werden kann. Ein Querschnitt durch die Gesellschaft und ihr sexuelles Verlangen und ihre Sehnsüchte. Hier trifft man am Ende wirklich alle(s).

Beim Dating in der Domstadt habe ich hingegen die Erfahrung gemacht, dass viel gematcht und geliked, aber wenig wirklich geredet, geschweige denn, sich getroffen wird. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regeln, natürlich hatte ich in dieser Stadt trotzdem einen Riesenspaß. Mit vielen wunderbaren Menschen und einigen, die halt in dem Moment irgendwie wunderbar waren. Jeder kennt es, alle hatten schon mal so ein Erlebnis. In der Hauptstadt hingegen höre ich recht wenig Datingfrust, auch nicht von männlicher Seite – im Gegenteil! Selbst die Herren der Schöpfung wirken hier eigentlich ganz zufrieden: Angebot und Nachfrage scheinen im Gleichgewicht… oder ich hatte einfach nur das Glück eben diese Personen zu treffen. Wer weiß das schon. Auch die meisten Frauen wirken freier, oder befreiter. Sie sagen was sie denken und was sie wollen. Schlampe ist hier weniger ein Schimpfwort, als ein nett gemeinter kleiner Diss. Aber es schwingt auch ein wenig Anerkennung mit. Spannend.

Dating kann auch anstrengend werden

Zu der Zeit in Köln hatte ich hingegen öfters das Gefühl, dass gerade die Frauen viel unterdrückten und ihre Spielchen spielten. Das ist gar nicht negativ gemeint, irgendwo wird es ja auch von uns erwartet. Sich rar machen; für etwas ganz Besonderes halten, um das gekämpft werden muss; selten die Initiative ergreifen, eigentlich nie den ersten Schritt machen, aber am Ende sauer sein, wenn er sich nicht meldet. Oder nicht die richtigen Fragen stellt. Wie auch immer.

Schlampe ist hier weniger ein Schimpfwort, als ein nett gemeinter kleiner Diss.

Nadine Primo

Ein Teufelskreis der erwartungsgeschwängerten, aber dennoch indirekten Kommunikation. Die Männer spüren das und irgendwann wirkt daten auf sie zehrend, langatmig, wenig authentisch – ein Spiel eben. Spiele machen Spaß, aber in der falschen Situation können sie echt anstrengend sein.

Also, wenn ihr euch manchmal fragen solltet, wie es in eurem Datingleben besser laufen könnte: Sprecht es einfach an – oder aus! Schluss mit den Spielchen. Wenn ich eins gelernt habe, dann das wir uns in den meisten Fällen selbst im Weg stehen. Klar, ist es in der Stadt leichter Sex facettenreich zu leben und ständig neue Erfahrungen zu machen, denn Großstädte – vor allem Berlin – bieten schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Trotzdem darf bei alledem nicht vergessen werden: Nur Sprechenden kann geholfen werden und bevor wir nicht klar artikulieren, worauf wir (keinen) Bock haben und uns nehmen was wir wollen, so lange können unsere Bedürfnisse eben auch nicht befriedigt werden – auch nicht in Berlin!

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Absolut nicht. Jede*r von uns, der sich aktiv auf Social Media, allen voran Instagram, rumtreibt, kriegt nicht genug zensierte weibliche Nippel zu sehen. Der Aufschrei ist nach wie vor groß und neben prominenten Vertreter*innen, zeigen auch jede Menge Künstler*innen, Fotograf*innen regelmäßig, was sie von der ungerechten Zensur halten.