Ein Plädoyer für den One-Night-Stand

Schluss mit Schämen und Bereuen! Warum ich das Prinzip des spontanen Sex-Abenteuers nicht nur total in Ordnung, sondern (meistens) sogar ziemlich großartig finde. Katrin Bauer sieht das mit dem ONS etwas entspannter als Sascha Grimm

Ich wurde modern und ohne große Geschlechterklischees erzogen. Ich konnte meine Stärken ausloten, Fehler machen, genau wie derbe Witze ab und an. Auch ohne blöde Stereotype, hatte in meiner Familie jeder seinen Platz. Ich bin dankbar dafür, denn genau wie vieles andere hätte sich vielleicht auch mein Sexualverhalten, mein Verständnis von Mann und Frau, anders entwickelt, hätten mich meine Eltern immer nur Zurückhaltung, Unterwürfigkeit und Sanftmut gelehrt. Ich wusste früh, dass ich eine Stimme habe, ein Recht auf eigenes Glück – aber auch, dass es manchmal besser ist, Rücksicht auf andere und ihre Gefühle zu nehmen, als um jeden Preis persönliche Ziele durchzudrücken.

Mein Sexleben gehört mir

Und so, bepackt mit diesem wertvollen Handwerkszeug, zog ich vor vielen Jahren raus in die Dating-, Liebes- und Männerwelt. Ich versuchte, bei allem immer ehrlich zu sein, empathisch, Dinge richtig zu machen – so gut das eben mit etwa zwanzig Jahren ging. Und bis heute hab ich niemals einer anderen Frau jemanden ausgespannt. Trotzdem hat sich im Vergleich zu früher etwas verändert. Ich bin nun wirklich erwachsen geworden, hab mit Männern gute und schlechte Erfahrungen gemacht, mal kurz und mal länger geliebt, gedatet und Spaß gehabt. Nach all dem kann ich heute sagen: Ich weiß, was ich will. Und in Single-Phasen bedeutet das eben auch, zu schlafen mit wem ich gerade möchte.

Zu mir oder zu dir – oder einfach gleich hier?

Wenn ich abends mit Freunden unterwegs bin oder ein Online-Date vereinbart habe, kann es gut passieren, dass ich am nächsten Morgen nicht allein aufwache. Natürlich kommt es nicht immer dazu. Aber wenn die Chemie sofort passt und beide Lust darauf haben, die Nacht noch etwas auszudehnen, warum denn nicht? Solange ich niemandem die große Liebe vorgaukle und gleichzeitig meine persönliche Sicherheit im Blick behalte, sehe ich dabei nichts Verwerfliches. Kondome habe ich rein prophylaktisch immer dabei – denn selbst ist die Frau, das habe ich ja gelernt. Und auch, wenn man ab und zu mal auf ein schwarzes Schaf trifft: Kaum etwas ist so aufregend, so spannend und beflügelnd wie ein guter One-Night-Stand. Hungrige Augen, hungrige Hände, Endorphine, neue Erfahrungen, der kleine Push fürs Selbstbewusstsein. Warum also ist es für viele Frauen so problematisch, auch ohne feste Beziehung sexuell auf ihre Kosten zu kommen – und öffentlich dazu zu stehen?


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