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Darf ich meinen Partner nach dem Sex kritisieren, wenn er sich keine Mühe gegeben hat?

Sex kann so schön sein! Innige Zweisamkeit, tiefe Verbundenheit, körperliche Sensationen. Das Gefühl, wahrgenommen und begehrt zu werden, gemeint zu sein, geliebt zu werden. Was aber, wenn ein Partner nicht wirklich bei der Sache ist, sich scheinbar keine Mühe gibt? Sollte man das ansprechen? Ich sage, ja, auf jeden Fall! Aber dafür gibt es je nach Ursache ganz unterschiedliche Möglichkeiten

Marla und Tobias sind seit vier Jahren ein Paar. In der Anfangsphase war der Sex fantastisch. Spontan, mit viel Lust und dem Hang zum hemmungslosen Ausprobieren konnten die beiden gar nicht genug voneinander bekommen. Aber irgendwann hat sich die Situation verändert. Wenn es heute überhaupt einmal dazu kommt, muss zum einen immer Tobias die Initiative ergreifen. Und zum anderen scheint Marla es dann auch eher geschehen zu lassen, als dass sie sich aktiv einbringt. Tobias fühlt sich vernachlässigt, nicht mehr begehrt und fragt sich, ob Marla ihn als Liebhaber überhaupt noch wahrnimmt. Bisher allerdings hat er das einfach so hingenommen aus Angst, einen Streit vom Zaun zu brechen. Denn wie soll er das ansprechen, ohne dass sie sich angegriffen fühlt und womöglich noch mehr zurückzieht?

In dieser kleinen Geschichte ist es die Frau, die weniger Lust hat, sich zurückzieht oder sich keine Mühe gibt. Es könnte hier aber genauso gut andersherum sein. Auch Frauen beklagen sich über fehlenden Enthusiasmus auf Seiten ihrer Partner. Auch sie berichten von fehlendem Einfühlungsvermögen, einer Fixierung auf den Orgasmus oder mangelnder Kreativität. Die Liste kann auf beiden Seiten individuell angepasst werden. Am Ende bleibt das Gefühl, dass die eigenen Bedürfnisse nicht hinreichend erfüllt werden, man sich körperlich nicht mehr so nah ist.

Es sind immer zwei beteiligt!

Nun mag es auf den ersten Blick so scheinen, dass nur eine Person an dieser  Situation beteiligt ist. Also müsste doch diese Person auch gefälligst ihr Verhalten ändern! Dennoch gehören immer zwei dazu. Durch mein eigenes Verhalten beeinflusse ich auch dasjenige des oder der anderen. Wenn ich also merke, dass ich unzufrieden bin, lohnt es sich, auch nach meinen eigenen Anteilen zu schauen. Und je nachdem, worauf ich da stoße, ergeben sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten, das Thema anzusprechen oder durch eigene Aktionen zu verändern.

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Über den Autor/die Autorin

Anja Drews

„In der Liebe gibt es nichts, was es nicht gibt“ - Unter diesem Motto widmet sich die Diplom-Sexualpädagogin allen Fragen rund um Partnerschaft und Sexualität. In ihrem Blog und auch in ihrem Podcast schreibt und redet sie über alles, was unsere Sexualität betrifft. Informativ. Unterhaltsam. Aufklärend.