Bin ich sexsüchtig?

Was bedeutet es, eine Sexsucht zu haben?
Weltweit leiden Millionen von Menschen unter Sexsucht – häufig ohne es zu wissen. Woran man eine Sexsucht erkennt und was Betroffene tun können.

Sexsucht – gibt es das überhaupt? 

Zugegeben, „Sexsucht“ klingt wie eine trendige Erfindung von Küchenpsychologen. Ist es aber ganz und gar nicht! Was viele nicht wissen: Sexsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit und kann zu großem Leid bei Betroffenen, aber auch bei Partnern und Angehörigen, führen. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet dieses Phänomen inzwischen als „zwanghafte Sexualverhaltensstörung“ (Compulsive Sexual Behavior Disorder = CSBD, gemäß ICD-11 6C72). Bisher sprachen Mediziner meist von „gesteigertem sexuellen Verlangen“ beziehungsweise einer „Störung der Impulskontrolle“, weil Betroffene den Impuls, Sex haben zu wollen, kaum oder gar nicht mehr kontrollieren können. Teilweise wurden auch Begriffe wie „Hypersexualität“, „Donjuanismus“, „Nymphomanie“ oder „Satyriasis“ verwendet, die heute als überholt gelten. 

Die CSBD zeichnet sich somit vor allem durch ein kaum mehr kontrollierbares und exzessives Sexualverhalten aus. Diese sehr weite Definition umfasst ebenso übermäßig häufigen Sex oder Pornokonsum wie allgemein die übermäßige gedankliche Beschäftigung mit dem Thema. Derartiges Verhalten muss allerdings ausdrücklich mit einem Leidenszustand einhergehen, damit wirklich von einer Störung gesprochen werden kann. Wer einfach nur sehr häufig Sex hat oder masturbiert, das prima findet und niemand anderem damit schadet, ist nicht von einer CSBD oder Sexsucht betroffen. 

Woran erkenne ich, dass ich sexsüchtig bin? Symptom-Checkliste

Sexsucht oder CSBD kann nur von einem Profi diagnostiziert werden. Ein Grund hierfür ist u.a., dass gesteigerte Sexualität auch die Folge von Medikamenten oder anderen Erkrankungen sein kann. Sie hat nicht immer eine psychische Ursache. Die folgende Checkliste häufiger Sexsucht-Symptome gibt allerdings eine erste Orientierung, ob du betroffen sein könntest

Menschen mit Sexsucht … 

  • … haben häufig das Gefühl, unbedingt Sex zu brauchen 
  • … haben (gerade als Singles) oft Sex mit Menschen, mit denen sie eigentlich gar keinen Sex haben wollten (z. B. wegen fehlender Attraktivität) 
  • … beschäftigen sich teilweise viele Stunden täglich mit dem Thema Sex (hierzu gehört auch Pornografie und Aktivität in sexbezogenen Foren usw.) 
  • … haben aufgrund ihres nicht oder kaum kontrollierbaren Drangs mitunter gesundheitlich riskante Sexkontakte 
  • … vermeiden häufig durch ihre übermäßige Beschäftigung mit Sex, sich mit Problemen und Herausforderungen ihres Lebens zu konfrontieren (ähnlich wie bei der Alkoholabhängigkeit) 
  • … fühlen sich ohne Sex innerlich leer und unlebendig 
  • … erleben besonders bei längerer Krankheitsdauer häufig, dass sich ihre Partner oder engen Vertrauten immer mehr von ihnen zurückziehen 
  • … verspüren häufig starke Schamgefühle bezüglich ihrer exzessiven Sexualität und suchen sich dadurch meist nicht die externe Hilfe, die sie benötigen würden, um sich von ihrer Sucht zu befreien 

Zu betonen ist, dass die Übergänge von gesunder Sexualität zur Sexsucht fließend sind und es hierbei ausdrücklich kein „Schwarz-Weiß“ gibt. 

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