Die Vater-Tochter-Beziehung – etwas ganz Besonderes

Stundenlanges Wandern, Besuche im Freizeitpark und kleine Geschenke zwischendurch: So ein Papa ist schon etwas Tolles! Irgendwie mochte ich ihn auch immer ein kleines bisschen lieber als Mama. Er hat nie so viel geschimpft, lustige Dinge mit mir unternommen und mir erlaubt, Cola zu trinken, obwohl ich eigentlich nicht durfte. Mittlerweile ist aus dem kleinen Mädchen, das seinen Papa immer angehimmelt hat, eine erwachsene Frau geworden und mir kommt es manchmal so vor, als ob unsere Vater-Tochter-Beziehung Einfluss auf meine Partnerschaften hätte. Habe ich vielleicht einen Vaterkomplex? Und was ist das überhaupt? Ein psychologischer Streifzug durch die Welt der Vater-Tochter-Beziehungen

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Wie entsteht ein Vaterkomplex?

Ein Vaterkomplex resultiert immer aus dem Verhalten des Vaters gegenüber der Tochter und entwickelt sich meist bei einer krankhaften Vater-Tochter-Beziehung. Krankhaft kann in diesem Zusammenhang verschieden gedeutet werden, auf jeden Fall beinhaltet es aber, dass beide Parteien ihrem von der Natur gegebenen Status als Vater oder Kind nicht gänzlich gerecht wurden oder werden können. Entweder hat der Vater beispielsweise seine Tochter zu sehr verwöhnt und sie wie eine Prinzessin behandelt oder es ist genau das Gegenteil passiert und er zollte ihr weder Anerkennung noch Lob.

Der Vaterkomplex äußert sich meist darin, dass sich die Tochter in ihrem späteren Leben zu Männern hingezogen fühlt, die sich ähnlich verhalten wie ihr Vater, oder sie gegen das Verhalten ihres Vaters rebelliert (und in ihrer Partnerwahl „überkompensiert“). Vielleicht fühlt sie sich auch zu wesentlich älteren Männern hingezogen und sucht in ihnen einen passenden (Vater-)Ersatz. In jedem Fall kann die Art der Beziehung zum Vater zukünftigen, gesunden Beziehungen stark im Weg stehen.

Was ist besonders am Vaterkomplex?

Ein Vaterkomplex ist sehr weitreichend und kann mit tiefen Verletzungen einhergehen. Stehen Vater-Tochter-Konflikte in der Kindheit an der Tagesordnung, wirkt sich das stark auf das spätere Leben des Kindes aus. Eine Tochter wird ihren Lebensgefährten dann oft mit dem Vater vergleichen und sich einen Mann suchen, der ihm ähnelt. War diese Beziehung zum Vater weniger gut, hat er sie oft runtergemacht bzw. ihr nichts zugetraut, wird sie sich meist auch zu einem Mann mit ähnlichem Verhalten hingezogen fühlen. Sie versucht in dieser Beziehung die Anerkennung und Wertschätzung zu erhalten, die sie bei ihrem Vater so vergeblich gesucht hat.

Jedoch auch wenn die Vater-Tochter-Beziehung keine Grenzen kennt, alles erlaubt und nichts verboten ist, kann sich ein Vaterkomplex entwickeln. Eine übertrieben enge Vater-Tochter-Beziehung ist also auch nicht unbedingt förderlich für das Kind. Das Gefährliche hieran ist, dass die Tochter in Zukunft eventuell unter Bindungsunfähigkeit leiden könnte. Sie wurde von ihrem Vater immer wie eine Prinzessin behandelt und erwartet das auch von ihrem potenziellen Partner. Enorm hohe Ansprüche stehen im Raum, die eine Beziehung auf Augenhöhe erschweren und tatsächlich verhindern, dass sich die nunmehr erwachsene Tochter überhaupt gänzlich auf einen Partner einlässt (gewissermaßen eine hinter der Fassade hoher Ansprüche verborgene Bindungsstörung).

Was ist der Elektrakomplex?

Der so genannte Elektrakomplex, von dem der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung spricht, kann übrigens (auf Frauen bezogen) größtenteils als Synonym für den Vaterkomplex verwendet werden. Er drückt die überstarke Bindung der Tochter zum Vater aus, bei einer gleichzeitig häufig feindseligen bzw. äußerst komplizierten Beziehung zur Mutter. Wobei hier „Feindseligkeit“ weniger offensiv, als vielmehr auf unbewusste Art und Weise zu Tage tritt. Das können etwa kleine Handlungen sein (wie Spitznamen oder Insider-Witze), die der Mutter zeigen, dass sie nicht zu dem Zweiergespann gehört. Beim Elektrakomplex stellt die Tochter den Vater auf ein Podest.

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