Liebe ohne Beziehung – geht das?

Von Beziehungen ohne Liebe hört man gelegentlich. Aber wie sieht‘s mit dem Gegenteil aus, der „Liebe ohne Beziehung“?

Beziehungen ohne Liebe

In meinem Bekanntenkreis gibt es einige Langzeitpaare, für die Liebe nach eigener Aussage keine Rolle spielt. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Und die das gar nicht so schlimm finden, auch wenn sie das „Wir lieben uns nicht“-Geständnis nicht an die große Glocke hängen.

Teilweise sei es die Neugier oder der Sex gewesen, der aus ihnen einst ein Paar machte. Oder das Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit, bei einigen verbunden mit dem Wunsch nach einer eigenen Familie mit Eltern im Plural, der sich als Single schwerlich realisieren lässt. Irgendwann gesellten sich dann auch noch tief empfundener Respekt, Vertrauen und nicht zuletzt zahlreiche gemeinsame Erinnerungen hinzu. Nur emotional würde etwas fehlen, jene Zutat, die man Liebe nennt.

„Aber Liebe ist ja nicht alles“, meinte ein Bekannter mal zu mir. „Für eine Beziehung ist sie nicht wesentlich, auch wenn das gerade jüngere Menschen immer glauben.“ Sie seien zufrieden, sagen die meisten dieser Paare, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten eine „Beziehung ohne Liebe“ führen. Böse Zungen würden vielleicht eher von Zweckgemeinschaften sprechen. Oder behaupten, beide seien einfach zu feige gewesen, um sich zu trennen und eine wirkliche Liebesbeziehung zu suchen. Sei’s drum, ich will das hier gar nicht bewerten. Wichtig ist nur: Beziehung ohne Liebe – das geht. Ob man’s toll findet und selber wollen würde, steht auf einem anderen Blatt.

Liebe ohne Beziehung?

Wenn es also Beziehungen ohne Liebe gibt, kann es dann nicht auch eine Liebe ohne Beziehung geben?

Das fragte ich mich neulich und meinte recht schnell, eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben: ja, klar, warum denn nicht! Man kann sich doch einfach lieben, ohne ein Paar zu sein oder werden zu wollen. Es gibt Menschen, die verlieben sich Hals über Kopf ineinander, stellen aber bald fest, dass sie einfach nicht füreinander gemacht sind, dass es „für eine Beziehung nicht reicht“. Vielleicht, weil es im Beziehungsalltag immer wieder krachen würde, weil die Lebenspläne auseinanderdriften oder einfach, weil beide an unterschiedliche Orte auf diesem Planeten gebunden sind. Das ist der Liebe jedoch vorerst egal – sie verabschiedet sich meist nicht einfach per Knopfdruck. Übrig bleiben dann zwei liebende Menschen, die keine Partnerschaft haben. Liebe ohne Beziehung eben.

Das natürliche Habitat der Liebe

Aber ist das wirklich so einfach? Je mehr ich über die Liebe ohne Beziehung nachdachte, desto skeptischer wurde ich. Denn der oben beschriebene „Liebes-Zustand“ dürfte in den allermeisten Fällen ja ziemlich labil sein. Sobald jemand Neues des Weges kommt, mit dem Liebe plus Beziehung möglich sind, verabschiedet sich eine Partei aus dieser eigenwilligen Verbindung.

Und überhaupt: Die allermeisten Menschen scheinen die partnerschaftliche Liebe mit einer festen Beziehung zu verbinden. Das ergab auch eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis. Gemeint ist hier jene Liebe, die in irgendeinem Sinne eine sinnlich-erotische Komponente beinhaltet, gleich, ob diese ausgelebt wird oder nicht (anders als emotionale Verbundenheit bei freundschaftlicher Liebe, Geschwister- oder Elternliebe, Tierliebe und welche Liebesarten es sonst noch alles gibt). Das natürliche „Habitat“ der Liebe ist demnach eine Partnerschaft. Ohne Partnerschaft keine Liebe, allenfalls Verliebtheit, z.B. in der Phase des Datings und Kennenlernens. Wenn zwei Menschen dann doch nicht zusammenkommen, verabschiedet sich die „Liebe“ irgendwann oder wird zumindest einseitig und unglücklich.

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