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Ich wünsche dir alles, aber nicht, dass du mich vergisst

Den letzten Geburtstag haben sie noch zusammen gefeiert. Heute, ein Jahr später, führen sie getrennte Leben. Und trotzdem kann es unsere Autorin nicht lassen, ihm auch heute etwas zum Geburtstag zukommen zu lassen 

Eigentlich sollte ich hier gar nicht eingekuschelt auf dem Sofa sitzen und diese Zeilen schreiben. Eigentlich sollte ich an meinem Praktikumsbericht arbeiten, weil meine Mutter mich garantiert danach fragen wird, wenn ich heute Abend mit ihr telefonieren werde. Und das Badezimmer putzen sollte ich auch oder die trockene Wäsche in den Schrank einsortieren. Aber mein Vater sagt immer, dass Prioritäten im Leben ganz wichtig seien und man sie keinesfalls unter den Tisch kehren dürfe, sondern im Gegenteil, sie ganz bewusst setzen müsse. Nun ja, jetzt hocke ich hier, presse die Knie fest gegen meine Brust und schreibe einen Brief für dich. Dabei hätte ich nie gedacht, dass du noch einmal, jemals, zu meiner Priorität werden wirst. Geschweige denn zu meiner ersten.

Heute ist dein Geburtstag. Ich weiß, du magst Geburtstage nicht. Vor allem nicht deinen eigenen. Aber trotzdem konnte ich es nie lassen, dir eine kleine Freude zu bereiten. Meistens wirklich nur eine kleine, weil du große Dinge gar nicht ausstehen konntest. Aber die kleinen Dinge, die waren dir recht. Heute, ein Jahr später, ein Jahr älter, mache ich dir zum ersten Mal keine kleine Freude mehr. Weil es keinen Grund mehr gibt. Wir kennen uns ja nicht mehr.

Seit einer Woche überlege ich nun, dir zum Geburtstag zu gratulieren, per Textnachricht, weil es an deinem diesjährigen Ehrentag keine andere Möglichkeit für mich gibt, dir Glück zu wünschen. Der Kontakt ist verloren, ich weiß weder, wo du dich aufhältst, noch mit wem. Ich weiß ja nicht mal mehr, ob es dir gut geht. Das einzige, was ich noch von dir besitze, ist deine Handynummer, die ich mich nicht traue zu wählen, weil die Angst, du wolltest nichts mehr von mir hören, viel zu groß ist. Deshalb schreibe ich einfach hier. Hier, wo du es sehr wahrscheinlich niemals siehst. Aber hier, wo meine Worte ein bisschen Sicherheit finden und mit der Illusion ruhen, du würdest dich an ihnen erfreuen.

Erinnerst du dich an deinen letzten Geburtstag? Als wir gemeinsam beim Italiener in der Stadt waren? Und den Kuss, den du mir gegeben hast, als wir im Lichtkegel der Straßenlaterne standen, der Motor deines Wagens verstummte? Erinnerst du dich, wie weich, wie liebevoll er war? Erinnerst du dich daran, wie unsere Lippen ein und dieselbe Melodie sangen? In ein und demselben Takt?

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Über den Autor/die Autorin

Mona Kühlewind

Wenn es eine Sache gibt, der sich die Journalismus-Studentin und Bloggerin Mona Kühlewind sicher ist, dann ist es der Glaube an die eine, ganz große Liebe. Bis sie die aber gefunden hat, steckt sie erstmal jede Menge Liebe in das Schreiben, Reisen und ihren kleinen Hund Rosa.