„Der erste Kuss war Erdbeerbowle und Spucke“

Vorsichtig und zart oder forsch und nass: Können Sie sich noch an Ihren ersten Kuss erinnern?

„Es war die schönste Zeit“ singt Bosse und meint damit die aufregende Zeit zwischen Kindheit und Erwachsensein, die Zeit der großen Veränderungen und Hormonschübe und die der ersten Male. Was man vorher nur aus Erzählungen, Büchern und dem Fernsehen kannte, wurde plötzlich real. Heute wissen wir vielleicht gar nicht mehr so viel über den Jungen oder das Mädchen von damals – aber unseren allerersten Kuss werden wir wohl nie vergessen. Wir haben uns auf eine kleine Zeitreise begeben und  Kussgeschichten gesammelt.

Der Tanzschulkuss, Frida

Ich war ein Spätzünder, das kann man gut und gerne behaupten. Während meine Klassenkameraden schon wild unter der Decke knutschten, war ich mit 15 noch ungeküsst. Ich fand das nicht schlimm, denn ich hatte immer die Vorstellung, dass der erste Kuss mit jemandem sein sollte, den ich wirklich wirklich toll fand. Ich hatte Dates, aber küssen wollte ich die nie, so spannend fand ich sie nicht. Das sollte sich jedoch ändern, als ich in die Tanzschule ging und dort meinen Tanzpartner kennen lernte. Er war groß, hatte schwarze Locken und roch fantastisch (und das ist als Jugendlicher schon ein Kunststück!). Und das beste: Er hatte Taktgefühl! Es gibt nichts Schlimmeres als Männer, die den Takt nicht hören können und einen auf der Tanzfläche malträtieren. Bei ihm war das anders, der konnte das. Da war sie, meine Tanzschulschwärmerei. Wir verstanden uns hervorragend und gingen ins Kino, waren jedoch beide so schüchtern, dass es nicht über das Händchenhalten hinaus ging.

Doch dann kam der sechzehnte Geburtstag eines gemeinsamen Freundes. Mein erster Kuss fiel mit meinem ersten kleinen Rausch zusammen: Wir waren jung und leicht betrunken und überhaupt voller Adrenalin und Kribbeln am ganzen Körper. Und da, im Jugendzimmer unseres Freundes beim Flaschendrehen berührten sich endlich unsere Lippen. Es war gar nicht so schwer, wie gedacht! Und gar nicht mal so gut. Irgendwie kalt und ziemlich – nass. Wir küssten uns danach nochmal, im Kino bei „Wie werde ich ihn los in 10 Tagen“, das weiß ich noch, als wäre es gestern gewesen. Und auch hier fand ich den Kuss nicht sonderlich verlockend. Das muss uns beiden irgendwie so gegangen sein, denn mehr als ein Tanzschulflirt wurde nicht aus uns. Heute jedoch sind wir gute Freunde. Das Küssen haben wir bleiben lassen, aber das Besondere ist geblieben. Und ja: Er riecht immer noch so gut wie damals!

Der Videoabend, Janina

Wir hatten uns über gemeinsame Freunde kennengelernt und waren uns eigentlich gleich sympathisch. Michael war witzig und ziemlich extrovertiert, selbstbewusst und gesprächig für einen Jungen in der Pubertät – das hat mir gefallen. Optisch war er aber so gar nicht mein Fall: eher klein, schmächtig und rothaarig. Aber egal, erst einmal haben wir uns ja nur gut verstanden und hatten ein paar lustige Abende in unserem gemeinsamen Freundeskreis. Irgendwann hat er mich dann zu sich nach Hause eingeladen – zum Videoabend. Klassiker damals. Ich war 15, er 17. Da wir beide große Thriller-Fans waren, hatte er “Denn zum Küssen sind sie da” mit Morgan Freeman ausgeliehen. Zugegeben, bei dem Titel hätte ich stutzig werden können.

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