Als die Liebe noch einfach war

Liebeskummer, Herzschmerz: Früher war alles leichter? Jule Blogt wagt einen nostalgischen Blick zurück und besucht in der Vergangenheit sich selbst

Kleine Stühle, gerade einmal so hoch wie ein erwachsenes Schienbein, stehen um einen Tisch herum, der Zwergen zu gehören scheint. Der Geruch von süßem Früchtetee liegt in der Luft. Bilder abpausen mit dünnem Papier, welches sich immer ein bisschen wie Butterbrotpapier anfühlte, diente als Zeitvertreib. Der tägliche Mittagsschlaf war eine Qual, die nur gelindert werden konnte, indem das Schließen der Augen mit Süßigkeiten belohnt wurde. Es war die Zeit, in der ich noch von Luftballons und Zuckerwatte träumte, anstatt mich über das Weltgeschehen zu sorgen, die Kindheit. Die Zeit, in der Liebe noch einfach war.

Schwärmereien gaben uns das Gefühl erwachsen zu sein

Meinen ersten Kindergartenfreund hatte ich mit schätzungsweise fünf Jahren. Felix, der damals mein Auserwählter war, hatte zu Spitzenzeiten fünf Freundinnen, gleichzeitig. Ich erinnere mich an Gespräche mit meiner damaligen besten Freundin, die jedes Mal darauf hinausliefen, festzustellen, wer von uns beiden den Felix „mehr lieben“ würde. Diese Schwärmereien gaben uns das Gefühl, ein wenig erwachsen zu sein. Mein kindischer Leichtsinn ging so weit, dass ich sogar einmal den Bund der Ehe schloss. Weißes Kleidchen, etwas Blumenwiese in der Hand und „Ja“ gesagt. Dass ich in kurzer Zeit fast jeden Jungen meiner Kindergartengruppe geheiratet hatte, spricht wohl für sich. Es gab keine Regeln, keine Gesetze. Ich vermisse die Unbedarftheit früherer Zeiten. Liebe war ausnahmslos etwas Schönes. Auch wenn der Angebetete während der Spielzeit mit drei anderen Mini-Ladys in die Ecke zum Knutschen verschwand, war von Herzschmerz keine Spur. Manchmal glaube ich, als Kinder konnten wir viel besser teilen als jetzt. Zweifeln war einfach nicht unser Ding, warum sollte uns auch irgendjemand wehtun wollen? Liebe ist für alle da, für Claudi, Clara, Steffi und Lui.

Ich hab dich so lieb und will immer mit dir zusammen sein

Meinen ersten Liebesbrief ließ ich von meiner Mama notieren, da ich noch nicht einmal das ABC beherrschte. Auf einem kleinen Notizzettel stand: „Ich hab dich so lieb und will immer mit dir zusammen sein.“ Darunter ein großes rotes Herz, welches ich natürlich selbst entworfen und liebevoll gezeichnet hatte. Wie schön das Gefühl doch war, dieses kleine Briefchen in den Postkasten meines Herzblattes zu werfen. Damals war die Liebe einfach. Nachmittags verabredete man sich zum Spielen, Buden bauen, von der Schaukel springen und Lachen, bis der Bauch wehtat. Niemand fragte sich, ob die kindische Liebelei, der man tagtäglich nachging, die Richtige sei. Es stand außer Frage, dass man ein Leben lang zusammenbleiben würde. Mutter, Vater, Kind war unser Idealbild, welches wir täglich spielerisch übten. Gestritten wurde nur darüber, ob nun ein Hund oder eine Katze  das Familienbild vervollständigen würde.

Ich möchte zurück in die Zeit, in der Liebe noch einfach war

Das vermisse ich. Ich vermisse die Leichtigkeit, mit der wir in jungen Jahren unser Herz verschenkten. Die Naivität, die wir dabei an den Tag legten, sorgte dafür, dass wir nicht mit Problemen rechneten – und erst gar keine hatten. Lachen erfüllte unseren Tag, wir hatten keine Zeit, uns Sorgen zu machen. Manchmal möchte ich mich einfach wieder auf einen zu kleinen Stuhl an einen zu kleinen Tisch setzen, ein Donald Duck-Bild abpausen und keinen Gedanken an möglichen Herzschmerz verschwenden. Mit süßem Früchtetee möchte ich auf meiner gespielte Hochzeit darauf anstoßen, dass das Wort „Scheidung“ in meinem Wortschatz fehlt. Ich möchte zurück in die Zeit, in der Liebe noch einfach war.

Das könnte Sie auch interessieren:

Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Jule Blogt

Jule ist eine waschechte Berliner Single-Frau Ende 20. Wenn sie nicht gerade “irgendwas mit Medien” macht, schreibt sie einen Blog über das aufregende Leben als Großstadtsingle. Sie bloggt auf juleblogt.de