Was Sie über den Umgang mit einem passiv-aggressiven Partner wissen müssen

Ein schwieriger Fall: Partner, die ihren Frust und Ärger nur indirekt ansprechen, können eine Beziehung schwer belasten. Doch es gibt Wege, mit passiv-aggressiven Partnern besser umzugehen.

Wie äußert sich eigentlich passiv-aggressives Verhalten des Partners? Ein Beispiel: Sie haben sich auf einen gemütlichen Abend mit ihrem Partner gefreut. Zur verabredeten Zeit erscheint aber nicht er, nur eine magere SMS: „Wichtige Jobangelegenheit! Schaffe es nicht. Ich melde mich später.“ Eine andere Situation: Sie wollen sich mit ihm zu dem lange geplanten Wochenendtrip austauschen. Ihr Partner guckt stattdessen schweigend in den Fernseher und murmelt, er habe „jetzt ganz andere Sorgen“. Oder: Ankunft in der gemeinsamen Wohnung. Es ist ein wenig frisch. Er mit vorwurfsvollem Blick zu ihr: „Wer hat denn auch wieder den ganzen Tag das Fenster offen stehen lassen?“

Indirekte Kommunikation statt Tacheles als Anzeichen von passiv-aggressivem Verhalten

Wenn Ihnen diese Szenen bekannt vorkommen, sind Sie vermutlich mit einem passiv-aggressiven Partner zusammen. Diese Menschen können eine wahre Herausforderung sein, denn: Sie sagen nie direkt, was sie stört. Sie mauern lieber, sie behaupten, es gehe ihnen „wirklich gut“, während ihr Gesicht das genaue Gegenteil ausdrückt. Sie antworten einsilbig auf Fragen und sind furchtbar schnell genervt und wollen in Ruhe gelassen werden, kurzum: Sie fliehen vor Nähe und Intimität. Mit ihrer Verweigerungshaltung und ihrer Lust an Machtspielchen bringen sie selbst den geduldigsten Partner an seine Grenzen. Dabei sind sich passiv-aggressive Menschen oftmals selbst nicht bewusst, wie sehr sie ihre Beziehung durch ihr Verhalten selbst sabotieren.

Als Partner eines passiv-aggressiven Menschen schleppt man oftmals ein ungutes Gefühl mit sich herum. Man fühlt sich unwohl, ohne genau sagen zu können, warum. Denn: Der passiv-aggressive Partner knallt ja keine Türen. Er rastet nie aus. Er zeigt seinen Frust nicht offen, sondern verschlüsselt ihn und macht sich dadurch unangreifbar. Doch diese indirekte Kommunikation hinterlässt beim Partner Wirkung. Vor allem diese: Er ist verunsichert. Er ahnt, dass er manipuliert wird, kann aber nur schwer sagen, wie genau das geschieht.

Warum verhält sich mein Partner passiv-aggressiv?

Passiv-aggressive Menschen sind „Meister des Vermeidens“ sagt der US-amerikanische Psychologe, Therapeut und Buchautor Scott Wetzler („Wenn Männer mauern“). Wetzler glaubt, dass passiv-aggressive Menschen sich so verhalten, weil sie selbst zutiefst verunsichert sind. Die Angst vor Abhängigkeit, Streit, Konkurrenz und Nähe treibe sie dazu, sich so zu verhalten, wie sie es tun. Aus ihrer Sicht wählten sie die folgerichtige Strategie, Probleme zu lösen.

Wetzler sagt, dass diese Menschen in ihrer Kindheit nicht richtig gelernt haben, mit Wut und aggressiven Gefühlen umzugehen. Der aufgebrachte kleine Junge, der von den Eltern nur ein „Davon geht die Welt nicht unter!“ zu hören bekommt, lerne unbewusst, dass seine Gefühle nicht ernst genommen werden – und äußere sie irgendwann gar nicht mehr offen. Tragisch sei, dass der passiv-aggressive Mann Beziehungen oftmals als Machtkämpfe verstehe – Machtkämpfe, bei denen er sich zumeist unterlegen fühle.

Andere Theorien gehen davon aus, dass sich das passiv-aggressive Verhalten dadurch entwickelt, dass diese Menschen besonders sensibel und harmoniebedürftig sind. Durch ihre Art wollen sie Streits gleich ganz vermeiden. Die als negativ wahrgenommenen Gefühle werden weggedrückt. Später und situationsunabhängig brechen sie sich jedoch oftmals in Seitenhieben doch Bahn: „Sicher, dass Du noch ein Dessert bestellen solltest?“

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