Gibt es Menschen, die für die Liebe nicht geschaffen sind?

Nach einer Trennung fragen sich viele Menschen, ob sie es einfach nicht schaffen – das mit einer glücklichen Liebe. Bianka Echtermeyer vermutet, dass das Problem woanders liegt

Wenn man wie ich Anfang keine 18 mehr ist und alte Freunde wiedertrifft, dann erzählt man sich keine Geschichten über traumhafte Hochzeiten mehr, sondern über blöde Scheidungen. Und genauso war es dann auch, als ich neulich einer alten Studienkollegin in der Fußgängerzone in Hamburg in die Arme gelaufen bin.

Nach kurzem Vorgeplänkel kam sie direkt zum Punkt. Sie und Thomas wären jetzt geschieden. Alles wäre prinzipiell in Ordnung, sie hätte gemerkt, dass sie einfach zu verschieden seien und sie überhaupt keine Lust mehr hätte, für ihn ständig die Verantwortung zu übernehmen. Sie könnte nicht für sich UND für ihn allein sorgen.

Zuerst habe ich ihr natürlich zugesprochen, denn ich finde, dass so eine schwierige Entscheidung viel Mut kostet. Aber ich habe gemerkt, dass sie trotz der Scheidung nicht glücklich mit der Situation ist. Plötzlich standen ihr Tränen in den Augen und sie fragte mich: „Aber hätte ich mehr tun müssen? Hätte er sich dann geändert? Kann ich die Liebe nicht?“ Dass Thomas jetzt eine neue Freundin hat, die ihn ihrer Meinung nach besser „im Griff“ habe, hat es für sie nicht besser gemacht. Und dann erzählte sie noch von dem Augenblick, in dem der Richter sie bei der Scheidung fragte, ob sie die Ehe für gescheitert hielte.

Wer weinen kann, der kann auch lieben

Was sollte ich ihr sagen? Bekloppter Mist ist das. Doof, blöd, mies, fies und alles zusammen. Aber ich finde es auch ganz natürlich, dass sie sich in so einer Situation nicht toll fühlt. Warum auch? Ein Traum ist gestorben. Die Hoffnung auf ein Leben mit diesem Menschen. Dabei ist es ziemlich egal, wer Schluss gemacht macht und ob man eine Beziehung hatte oder verheiratet war.

Und dann sagte ich ihr noch, dass ich sehr hoffe, dass sie nach dem Schmerz einsehen würde, dass sie „Liebe“ kann – und Beziehung. Denn das würde ich keinem abschreiben. Vielleicht gibt es einige Menschen, die aus verschiedenen Gründen so viel Angst davor haben, dass ihnen Nähe und Vertrauen nicht leicht fallen. Aber wer Gefühle hat, wer weinen kann, der kann auch lieben.

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