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Seitensprung: Gestehen oder verschweigen?

Soll man Untreue beichten oder lieber für sich behalten? So einfach ist die Antwort nicht. beziehungsweise-Autor Jonathan Bern hat beide Seiten erlebt: Er wurde betrogen und er hat betrogen

Nach dem dritten oder vierten Whisky beichtete mir mein ältester Freund ohne Vorwarnung, dass er eine Affäre hat. Ich war ziemlich perplex, da er und seine Frau zumindest nach außen sehr harmonisch wirken. Sie sind schon seit einer Ewigkeit verheiratet und haben einige Krisen gemeinsam gemeistert. Vor einigen Jahren hatte seine Frau ihn betrogen. Sie wollte nicht mit einer Lüge leben und erzählte ihrem Mann die Wahrheit. Er fiel aus allen Wolken, aber das Paar überstand diese Krise. Heute war mein Freund nur noch verwirrt, weil er nicht wusste, wie er sich verhalten sollte. Aus Bequemlichkeit entschied er sich dazu, zu schweigen und dieses Abenteuer so lang es ging zu genießen.

Wir entfremdeten uns immer mehr

Ich konnte ihm keinen Rat geben, da in meinen Augen kein richtig und kein falsch existiert. Ich denke nicht in schwarz/weiß Kategorien. Er musste die Verantwortung für sein Handeln übernehmen und nicht auf irgendeine Absolution hoffen. Sein Dilemma kam mir vertraut vor und ich fing an, von meinen eigenen Erfahrungen zu berichten. Ja ich war auch nicht immer treu, aber meine damalige Partnerin weiß es bis heute nicht. Auch wenn ich meinen Seitensprung damit nicht rechtfertigen möchte, habe ich sie damit nicht unnötig verletzt. Ich hatte mich verliebt und war ein Jahr lang hin- und hergerissen.

Meine Geliebte führte ebenso ein Doppelleben, was alles noch viel komplizierter, wenn auch spannender machte. Eines Tages kam sie mit all den Lügen nicht mehr zurecht und beendete unsere Affäre. Ich hatte diese andere Frau verloren und spürte, dass ich meine Freundin nicht mehr wirklich liebte. Immer öfter herrschte Ratlosigkeit auf beiden Seiten. Je größer die Distanz zwischen uns wurde, desto kleiner sah ich die Chance auf einen Neuanfang. Wir entfremdeten uns immer mehr und es kam irgendwann zur leisen Trennung.

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Über den Autor/die Autorin

Jonathan Bern

Jonathan Bern ist teils in Deutschland und teils in Frankreich aufgewachsen. Seine Wahlheimat bleibt Nizza, wo er mit 17 auf die merkwürdige Idee kam, einen Magister in Germanistik zu machen. In dieser Zeit schrieb er einen Artikel für die renommierteste französische Zeitung "Le Monde" und beschloss Journalist zu werden. Die Zeitung, bei der er einen Job fand, musste nach einem Jahr Konkurs anmelden und so landete er bei einer Airline, um seine Miete zu zahlen. Seitdem träumt er davon, irgendwann ein Buch zu schreiben..