Schatz, da sitzt ein rosa Elefant!

Sie ärgern sich – wieder einmal – über Ihren Partner? Und er weiß, dass Sie sich ärgern? Aber Sie sprechen nicht darüber? Dann spielen Sie “Paar-Mikado”, ein Spiel, bei dem beide Partner verlieren

Da sitzt er, ein rosafarbener Elefant, mitten im Raum, unübersehbar – aber niemand spricht über ihn. Der sprichwörtliche rosa Elefant steht für ein unausgesprochenes, aber sehr wohl vorhandenes Problem eines Paares: vielleicht sind es ständige Überstunden, Streit über die Kindererziehung, unausgewogene Aufgabenteilung oder die Flaute im Schlafzimmer.

Eigentlich sollte man meinen, wenn ein Paar etwas belastet, dann redet es darüber, um eben das Problem zu lösen und die Situation zu verbessern. Wer einen Hauch Beziehungserfahrung hat, weiß ja schließlich, unter den Teppich gekehrte Konflikte verschwinden dort nicht, sie werden im Gegenteil immer größer. Und dennoch entscheiden sich viele Paare abzuwarten, zu leiden, verbittert und zornig zu werden. Warum?

Diese Verhaltensweise ist typisch für Paare, die sich um Harmonie bemühen. Vielleicht weil in einer früheren Beziehung so oft gestritten wurde und man es dieses Mal besser machen möchte. Vielleicht weil man Angst hat, das Thema damit zu eskalieren und größer zu machen, als es ist. Dies machen solche Paare übrigens sogar in der Paartherapie, wo sie sich ja eigentlich an einem sicheren Ort und in einem neutralen Umfeld befinden, um genau solche Themen anzusprechen. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, den Elefanten im Raum zu übersehen, dann ist das wie eine stillschweigende Übereinkunft, auf dem rosafarbenen Auge blind zu sein.

Nach meiner Erfahrung tauschen sich viele Paare vornehmlich über Erlebtes aus, aber sie schweigen über ihre Gefühle – ihre Hoffnungen, Wünsche und Befürchtungen. Das klingt zunächst nicht bedrohlich, ist es aber, denn es ist eine Schutzstrategie, um mögliche Zurückweisung zu vermeiden. Um im Bild zu bleiben: Nicht aus jeder Mücke muss ein Elefant werden, doch ein ausgewachsener Elefant lässt sich mit einer Mückenklatsche nun eben nicht vertreiben.

Warum nicht einfach darüber sprechen?

Das Muster hinter dieser Dynamik ist eine Kommunikationsstörung. Wenn Partner A nichts sagt, und Partner B auch nicht, dann sind beide Partner rasch dabei, sich einzureden: Das, was mir auf der Seele liegt, ist wahrscheinlich gar kein Problem. Weshalb sollte ich nun hier womöglich einen Konflikt vom Zaun brechen? Vielleicht ist es ja nur ein temporäres Problemchen, das sich aussitzen lässt? Und überhaupt: so schlimm kann es ja nicht sein, sonst würde mein Partner es doch selbst ansprechen, oder nicht?

Und weil man ja jetzt auch nicht eine große Welle um Nichts machen möchte, sagt man lieber nichts. Gerade Paare, die großen Wert auf Harmonie legen, vermeiden es so, Probleme zu erzeugen, wo vielleicht gar keine sind. Durch diese Verhaltensweisen entsteht das, was Therapeut Christoph Ahlers als “Paar-Mikado” bezeichnet: „Wer sich zuerst bewegt – verliert.“

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