Männer vom Mars? Frauen von der Venus?

Frauen und Männer sind so unterschiedlich, sie könnten von zwei verschiedenen Planeten stammen. Wir fragen, was uns generell an solchen Unterschiedlichkeitsthesen so fasziniert, warum wir oft in Stereotypen denken und weshalb es gut ist, einmal mehr, genauer hinzuschauen

Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht auch schon mal dieser „typisch Frau, typisch Mann“-Klischees (1) bedient hätte. Warum auch nicht. Ist halt unterhaltsam. Das wissen wir und das weiß so ziemlich jedes Unterhaltungsformat, angefangen von der Frauen- oder Männerzeitschrift, über Alltags-TV-Shows bis hin zu Kabarett und überhaupt so gut wie jede komödiantische Darbietung. In jedem Small Talk wird hin und wieder ein Stereotyp eingestreut. Versteht jeder, kann jeder mitreden, alle schmunzeln. Soweit so gut.

Gutes Geschäft mit dem Klischee

Aber was, wenn Stereotypen die Grundlage für Ratschläge, Handlungsanweisungen oder gar gesellschaftliche und politische Entscheidungen werden? Dann kann es zumindest mal ein gutes Geschäft sein. Einer der das wirklich verstanden hat, ist John Gray, der in den frühen 1990er Jahren eine Art Beziehungsbibel verfasste. Seine unglaublich simple These lautete: Männer und Frauen sind so unterschiedlich, dass sie von verschiedenen Planeten stammen könnten. Diese Unterschiedlichkeit würde zwangsläufig zu Zoff zwischen den beiden Geschlechtern führen, den man nur lösen könne, in dem man einfach akzeptiert, dass es halt so ist, wie es ist.

Seine, eigentlich als Metapher gemeinte, Sternentheorie schildert er so plastisch und märchenhaft, dass sie eine Anziehungskraft wie das Horoskop zu entwickeln vermag und man ist geneigt, sich vor dieser höheren Macht der scheinbaren Faktizität zu Füßen zu werfen. Sein Buch „Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus“ hielt sich monatelang in diversen Bestseller-Listen, hatte Millionenauflagen und der Selbsthilfemeister tingelte durch Fernsehshows, schaffte es mit seinem Psychospektakel nach New York in die Carnegie Hall und versäumte es nicht, Seminare, Videos und alles was die Fanartikelpalette so hergibt (vom Abreißkalender über Grußkarten bis zu Kreuzfahrten mit dem Guru) unter die Leute zu bringen. Mittlerweile kann man auch online seinen und auch den Rat seiner Tochter einholen oder, wenn nichts mehr geht, einfach auf seiner Seite Vitaminpillen bestellen. Hilft ja auch irgendwie bei irgendwas.

(1) Die Begriffe Klischee, Stereotyp und Vorurteil werden zwar häufig synonym verwendet, sind jedoch definitorisch voneinander abzugrenzen. Für uns ist die Unterscheidung an dieser Stelle nachrangig, weil hier nur ihre abgrenzende, zuordnende Wirkung im sozialen Kontext thematisiert werden soll.


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Jan ist ein echtes Glückskind, solche Leute gibt es, denen einfach alles in den Schoß fällt. Er ist in der perfekten Familie aufgewachsen. Die Eltern waren und sind glücklich miteinander, in ihren Berufen und von Haus aus sehr vermögend. Ihr einziger Sohn hat an einer Privatuni in der Schweiz BWL studiert, ist jetzt erfolgreicher Geschäftsführer einer großen Firma. Als wäre das nicht genug, hatte Jan ausnahmslos Erfolg bei den Frauen. Er konnte jede haben, bis er Thea traf und nur noch sie wollte.