Ist verlassen werden schmerzhafter als jemanden zu verlassen?

Ich habe den Glauben an eine funktionierende Partnerschaft nicht aufgegeben. Jede glückliche oder unglückliche Erfahrung hat mich bereichert. Ich freue mich weiterhin über neue spannende Begegnungen, egal, ob sie in der Offline- oder Online-Welt stattfinden. Dating-Portale und -Apps wie Tinder gehören zu unserer Gesellschaft wie früher Kleinanzeigen und Tanzabende. Ich möchte auf der anderen Seite nicht zu viel Zeit in sinnlose Rendezvous investieren.

Ich benötige noch eine Weile, bis ich eine Abweisung nicht als Kränkung interpretiere. Diese Schonzeit sollte jeder seinem Herz gönnen, damit es wieder kräftig schlagen kann. Irgendwann kommt der Tag, an dem man die Vergangenheit hinter sich lassen kann. Es öffnen sich völlig neue Perspektiven und ich spüre plötzlich eine ungeahnte Energie. Ich fühle mich innerlich befreit. Ohne diese Trennung wäre ich in meiner Abhängigkeit gefangen geblieben.

Mehr Sein und weniger Schein

Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Nächte, in denen ich allein in meinem Bett liege und die Zärtlichkeit vermisse. Ich frage mich, wie viele Tausend andere Menschen in diesem Augenblick genauso empfinden. In meinen Augen ist München genauso eine Hauptstadt der Einsamkeit wie Berlin.

Der Gedanke kam mir, als ich den Text „Jeder sucht, aber niemand findet – Berlin als Hauptstadt der Einsamkeit“ von Jule Blogt entdeckte. Der Unterschied liegt darin, dass hier alles glamouröser erscheint. Die Stadt ist reich und sexy, deshalb wollen so viele dort leben.

Hinter den kernsanierten Fassaden verbergen die gut situierten und durchtrainierten Singles ihre Sehnsucht nach Liebe und Zweisamkeit. Auf der Wiesn haben sich alle nach der zweiten Mass lieb, aber fast jeder geht besoffen nach Hause, wenn die Zelte schließen. Man erscheint am nächsten Morgen verkatert im Büro und erzählt den Kollegen, dass die Stimmung der Wahnsinn war.

Nach fast zwanzig Jahren in meinem geliebten München besitze ich immer noch keine Lederhose … Ich sehne mich nach mehr Sein und weniger Schein.

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