Hört wahre Liebe bei Politik auf?

In den Medien wird die politische Lage immer gerne heiß diskutiert. Und gelegentlich schwappt die politische Diskussion in das Leben von Paaren über und nistet sich als Streitpunkt bei ihnen zuhause ein. Ein Bericht über ein Paar, das an der unterschiedlichen politischen Ausrichtung des Partners beinahe zerbricht

Hugo und Martina sind beide politisch stark interessiert und außerdem noch aktiv in einer Partei. Hugo ist seit Ewigkeiten in der SPD, seine Eltern und Großeltern waren und sind es ebenfalls. Martina wählt CDU, auch das hat bei ihr Familientradition. Sie stammt aus einem wertkonservativen Haus, ihr Vater ist Professor für Theologie, ihre Mutter Ethiklehrerin. Hugos Eltern besitzen eine florierende Firma, sie haben sich, wie es so schön heißt, von der Pike auf hochgearbeitet und sind ihren Wurzeln treu geblieben. Heute führt Hugo die Firma. Was Hugo und Martina eint, das ist ihr soziales Engagement. Und beide lieben die Natur, beide gehen bewusst mit der Umwelt um, beide überlegen sich genau, wie oft sie eine Flugreise antreten oder ob sie in den Skiurlaub fahren und vieles mehr. Die Sorge um die Umwelt ist bei diesem Paar immer präsent.

Bei so viel Stimmigkeit darf auch gestritten werden, zum Beispiel über Bildungspolitik. Über dieses Thema kriegen sich Hugo und Martina regelmäßig in die Haare und pflegen dabei allerdings eine konstruktive Streitkultur, wie sie im Buche steht. Das sagt jeder, der das Paar kennt. Beide lassen den anderen ausreden, beide hören geduldig und aufmerksam zu, keiner schreit, keiner bombardiert den anderen mit aggressiven und kommunikationshemmenden Du-Botschaften („Dein Denken ist elitär!“), sondern setzt ein friedliches Zeichen mit dialogfreundlichen Ich-Botschaften („Bei mir kommen Deine Gedanken so an, als wenn Du Randgruppen nicht ausreichend im Blick hast.“).

Friede, Freude, Eierkuchen also – mit zwischenzeitlichen Auseinandersetzungen, die die Zweisamkeit sogar beleben? Das war bis jetzt die angenehme Atmosphäre in der Beziehung, die schon seit 12 Jahren hält, aber die Standpunkte und die Diskussionen haben sich in den letzten Monaten geändert, mehr noch: verschärft. Martina driftet nach rechts ab, wirft Hugo ihr vor. Martina stellt Hugo dafür an den Pranger, dass er dem gegenwärtigen Trend anhängt, dass nur gut ist, was links ist, und ihm insofern der gesunde Menschenverstand und seine Urteilskraft abhandengekommen ist. Plötzlich stehen sich statt einem stimmigen Paar zwei kampfeslustige Einzelpersonen gegenüber, die sich regelrecht bekriegen.

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