Achtung! Beziehungs-BurnOut – wenn alles zu viel wird

BurnOut im Job ist ein bekanntes Phänomen. Können Paare ebenso unter einem Beziehungs-BurnOut leiden? Aus der Paarberatung-Praxis von Paartherapeut und beziehungsweise-Chefredakteur Eric Hegmann.

BurnOut im Job ist ein bekanntes Phänomen. Können Paare ebenso unter einem Beziehungs-BurnOut leiden? Aus der Paarberatung-Praxis von Paartherapeut und beziehungsweise-Chefredakteur Eric Hegmann

Ein echtes Krankheitsbild ist Beziehungs-BurnOut nicht, aber als typisch für BurnOut-Patienten geltende Symptome zeigen durchaus immer wieder Paare, die zu mir kommen. Die Partner sind erschöpft, sie sind gereizt, manchmal klagen sie über körperliche Symptome durch Überlastung.

Was sind Anzeichen für einen Beziehungs-Burnout?

Vor allem sind es nach meiner Beobachtung zwei Merkmale, die je nach Typ auftreten können und die für recht gegensätzliche Strategien stehen, um mit einer Beziehung, die unglücklich macht umzugehen. Zum einen ist dies Gereiztheit, also eine Anfälligkeit für Streit, wenn der Partner einfach nichts mehr richtig machen kann und “nur noch nervt”. Je mehr Mühe er sich gibt, umso stärker wird womöglich sogar dieses Gefühl. Zum anderen ist das eine Art innerliche Kündigung aus Erschöpfung oder Hilflosigkeit heraus: der Partner wird egal, seine Meinung uninteressant, seine Wünsche spielen keine Rolle mehr. Man selbst ist wie losgelöst von Partner und Beziehung und alles scheint gleichgültig. Echte Verbindung findet nicht mehr statt, man lebt nebeneinander her und langweilt sich miteinander.

Ein sicheres Alarmzeichen in einer Beziehung in der Paartherapie sind die sogenannten „vier apokalyptischen Reiter“ der Beziehung: Das sind Angriff, Verteidigung, Abwerten und Mauern. Achten Sie im Streit auf diese vier Verhaltensweisen, denn sie bedeuten das nahende Ende einer Beziehung, wenn das Paar nicht rechtzeitig gegensteuert.

Direkter Angriff: Angegriffen werden mag niemand, denn dann greifen sofort Flucht- und Gegenangriffsstrategien. 

Verteidigung: Auf den aggressiven Auftakt eines Gesprächs, kontert der angegriffene Partner meist mit einer Rechtfertigung oder Verteidigung, dem zweiten Reiter. Verteidigung führt fast nie dazu, dass der Angreifende einlenkt mit den Worten „ach so, jetzt versteh ich, deswegen machst Du das so“, sondern fast immer zu einer weiteren Eskalation, indem der Angreifer sich ungehört und unverstanden fühlt und einen neuen Angriff startet.

Abwertung ist der gefährlichste der vier Reiter. Verachtung kann sich verbal zeigen durch gemeine Bemerkungen oder hässliche Schimpfworte, aber auch nonverbal. Wer die Augen rollt, während der Partner spricht oder hörbar aufstöhnt, zeigt ebenfalls mangelnden Respekt. Jetzt geht es nicht mehr um das Lösen von Problemen, sondern darum, den anderen zu verletzen.

Mauern: der Kritisierte zieht sich ganz zurück. Entweder indem er in stures Schweigen verfällt oder wortlos aus dem Zimmer geht. Mauern hinterlässt einen hilflosen Partner und der erlebt das als ein Zeichen von Gleichgültigkeit ihm und der Beziehung gegenüber.

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