Warum ein Kind der Karriere hilft – wenn Sie ein Mann sind …

Ein Kind ist ein Karrierekiller. So heißt es. Aber ist das wirklich so? Was denkt der Chef, wenn ich meine baldige Elternschaft verkünde? Das hängt davon ab, ob ich ein Mann oder eine Frau bin

Es sind nach wie vor Dauerthemen in unserer Gesellschaft. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Elternzeit und wer nimmt wie viel davon. Und es ist immer noch so: Nach der Geburt eines Kindes nehmen Väter weniger Elternzeit als Mütter. Sehr viel weniger.

Während sie durchschnittlich ein knappes Jahr zuhause bleibt, entscheidet er sich für drei Monate dazu, die Kinderbetreuung zu übernehmen. (1) Immerhin: Der Anteil der Väter, die überhaupt Elternzeit beantragen, ist gestiegen. Darüber hinaus scheint das ElterngeldPlus, also die Kombination aus Teilzeitarbeit und Elterngeldbezug, ein attraktives Angebot für frisch gebackene Eltern zu sein. Auch wenn hier ebenfalls die Bezugszeit der Mütter (ca. 20 Monate) deutlich über der der Männer (ca. 9 Monate) liegt. (2) Soweit die harten Fakten.

Dann ist da aber die Sache mit der Bewertung. Und den Erwartungen. Wenn alles einfach wäre, wäre es ja auch nicht immer wieder Thema für die Medien. Aber es ist nicht einfach. Ganz und gar nicht. Für Frauen nicht. Für Männer auch nicht. So zumindest berichten diese.

Zum Beispiel vor Kurzem bei „Report München“. (3) Man bekommt den Eindruck, es wird über irgendwelche kriminellen Clans oder Steuerenthüllungen berichtet. Mann will unerkannt bleiben. Es wird von verständnislosen Chefs, Karrierenachteilen oder Kündigungen nach der Rückkehr aus der Elternzeit berichtet. Oder von Kollegen, die die Väter meiden, weil sie es für unkollegial halten, wenn der frisch gebackene Papa das in Anspruch nimmt, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte und ihm rechtlich ohnehin zusteht. Das mag so sein. In bestimmten Bereichen. Kaum zu glauben eigentlich. Im 21. Jahrhundert.

Ebenfalls kaum zu glauben ist eine andere Ungerechtigkeit. Nämlich die, wie unterschiedlich Elternschaft bei Frauen und Männern bewertet wird. Vor allem in Verbindung mit Beruf und Karriere. Insbesondere auf lange Sicht gesehen.

Für den Arbeitgeber kommt es nie gelegen

Auf die kurze Distanz sieht es noch recht ähnlich aus. Mann oder Frau gehen zum Chef und kündigen an, nach der Geburt des Kindes eine Zeit zuhause bleiben zu wollen. Warum sollte das aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein Grund zum Jubeln sein für den Chef? Das kann es weder bei Frau noch bei Mann. Es sei denn, man wollte den Arbeitnehmer ohnehin loswerden. Aber das wäre ein Sonderfall.

Für den Normalfall gilt: Der Arbeitnehmer geht in Elternzeit und muss für die Zeit ersetzt werden oder die Kollegen müssen die Arbeit mit übernehmen. Ersatz, vor allem für einen begrenzten Zeitraum, ist schwer zu finden. Mehrarbeit für die Kollegen lässt sich schlecht verkaufen. Der Arbeitgeber hat ein Problem. Seine Freude über den Familienzuwachs wird sich naturgemäß in Grenzen halten.

Aus mittelfristiger Perspektive stellen sich weitere Fragen, und da fängt es an, spannend zu werden. Nach einer kurzen Zeit kommt der Mann wieder. Nach ca. drei Monaten, wie wir bereits wissen. (1) Eine überschaubare Zeit, schlecht für den Ersatz, aber auch besser zu überbrücken als zwölf Monate, die Frauen im Durchschnitt fehlen. In einem Jahr kann viel passieren. Vor allem in technologischen oder digitalen Branchen, in der viele Veränderungen den Beschäftigten in kurzer Zeit viel Wissenszuwachs und Flexibilität abverlangen. Aber auch in anderen Bereichen dreht sich die Welt weiter, Kollegen kommen und gehen, Teams setzen sich neu zusammen, Firmen werden umstrukturiert, Hierarchien ab- oder aufgebaut. Wie auch immer die Veränderungen aussehen, sie werden spürbar sein und erfordern, dass Rückkehrer und Zurückgebliebene neu zusammenfinden. Und dabei ist die Rechnung ganz einfach: Je länger draußen, desto schwerer wieder drinnen.


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