unerhört: Ich habe mich für ihn von meinem Partner getrennt

Sie hat sich für ihn von ihrem Partner getrennt. Aber er hat sich entschieden, bei seiner Frau zu bleiben. Die Affäre mit ihr will er aber nicht aufgeben.

Frage: Um mit ihm zusammen zu sein, habe ich mich von meinem Partner getrennt. Aber er will weiterhin nur eine Affäre mit mir.

Ich habe einen wunderbaren Mann kennengelernt, etwa vor einem Jahr. Zu diesem Zeitpunkt waren wir beide in Beziehungen. Als er mir sagte, dass er mich liebt, habe ich meinen Partner verlassen, um den Weg frei zu machen. Wir sind uns körperlich und geistig sehr nahe, können uns fallen lassen miteinander, sehen uns mindestens ein Mal, häufig auch mehrfach in der Woche.

Auf Drängen seiner Partnerin hat er nun eine Paartherapie mit ihr begonnen und sich im Verlauf für sie entschieden. Aber: die Affäre mit mir will er nicht aufgeben. Wir haben uns bereits mehrfach getrennt, aber wir vermissen uns nach kurzer Zeit so sehr, dass wir doch wieder zusammenkommen.

Wir treffen uns auch an öffentlichen Plätzen. Manchmal habe ich den Eindruck, er provoziert geradezu, dass wir entdeckt werden. Was kann ich tun? Abwarten? Wie soll das weitergehen?

Antwort: Er verlangt von dir, für ihn zu entscheiden. Möchtest du das?

Zunächst einmal danke für diese Frage. Die erfordert Mut, das weiß ich. Geht es um Affären, werden nämlich rasch in den Kommentarspalten Fackeln und Heugaben rausgeholt. Aber wenn es um die Liebe geht, lässt sich NICHTS einfach in Schuld oder Unschuld einordnen. Es lässt sich von außen leicht sagen: “Na, dann redet doch über eure Probleme!” Ich weiß aus der Praxis, so einfach ist das oft nicht. Sonst hätten die Partner das nämlich schon getan. Die sind ja nicht doof. Manchmal verhindern Partner mit geradezu unglaublicher Energie jedes tiefergehende Gespräch. Aus Sorge, damit alles nur noch schlimmer zu machen.

Ich erlebe das so oft in der Praxis, dass ich einen Großteil meines Jobs darin sehe, Paaren zu helfen, die Gespräche zu führen, die sie dringend führen müssen, aber bisher nicht führen konnten. Und ich spüre immer wieder, wie schwer das vielen Menschen fällt. Wie viele Blockaden und Ängste sie daran hindern, die gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben, sondern vielmehr mit traumatischen Erfahrungen oder prägenden Beziehungserlebnissen. Manchmal habe ich den Eindruck, einige Paare fahren mit offenen Augen auf den Abgrund zu, aber sie haben zu viel Angst, um zu bremsen. Warum? Weil sie nicht über ihre Angst vor dem Abgrund sprechen können. Dann fahren sie lieber darauf zu und hoffen, der Partner tritt auf die Bremse. Nur dem geht es genauso, sonst hätte er oder sie das ja längst gemacht.


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