Machen Sie doch mal Ihren eigenen Lebensplan

Unsere Autorin fragt sich, ob es überhaupt gut ist, so etwas wie einen Lebensplan zu haben. Insbesondere, wenn dieser auch eine perfekte Liebesbeziehung umfasst

Es gibt da doch diesen Lebensplan. Den Plan, der auch den Plan vom Finden dieses einen perfekten Mannes oder der perfekten Frau beinhaltet. Diesem einen Menschen, den man mehr liebt als je jemanden zuvor. Mit dem man bestenfalls in seinen Mittzwanzigern zusammenkommt, erstmal ein paar Jahre zusammen ist, zusammenzieht, heiratet, ein Kind bekommt, ein Haus baut … das volle Programm eben. Diesen Plan einer perfekten Beziehung, in der keine Lügen vorkommen, kein geheimes Verlangen, keine Zweifel. Doch, hat dieser Plan jemals funktioniert?

Ich finde, ein solcher Lebensplan ist vergleichbar mit einer To-Do-Liste. Schritt für Schritt wird abgehakt, was man geschafft hat, und immer wieder kommen neue Punkte auf die Tagesordnung. Doch seien wir mal ehrlich, wie oft kommt es vor, dass eine solche To-Do-Liste so abgearbeitet wird, wie man es sich eigentlich vorgestellt hatte?

Morgen, morgen, nur nicht heute …

Wäsche waschen. Ach, verschiebe ich auf morgen. Kuchen für den Besuch bei den Eltern backen. Ach, kauf ich eben welchen beim Bäcker. Boden wischen, Steuererklärung machen, Bett neu beziehen. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Oder übermorgen. Oder doch lieber am Wochenende? Im Endeffekt machen wir doch eh das, worauf wir gerade Lust haben. Passt es uns nicht in den Kram, verschieben wir es eben. Projizieren wir das doch auf den Lebensplan. Es wird erwartet, dass ich mit meinem Partner spätestens bis ich 30 bin ein Kind bekomme.

Ich hingegen habe erst mit 29 einen festen Job bekommen: Sollte ich nach einem Jahr Arbeitserfahrung bereits eine Pause einlegen müssen? „Ihr seid schon fünf Jahre zusammen!“, heißt es von den Freunden. „Will er dir nicht bald mal einen Antrag machen?“ „Anscheinend nicht“, antworte ich, „und wenn schon.“ Mit 35 ein Haus im skandinavischen Stil, ein Garten, etwas Ländliches. Ein Mann, ein Kind, oder auch zwei. Das ist meine Vorstellung, wie es mal laufen soll. Mein Plan. Oder vielmehr „der“ Plan. Aber was ist, wenn ich mit 35 feststelle, dass ich lieber mitten in der Stadt wohne und mit meinen Mädels um die Häuser ziehen will?

Die Frage ist doch, müssen wir uns dem Plan anpassen?

Müssen wir das tun, was von uns erwartet wird? Oder müssen wir vielmehr unsere Sichtweise auf den Lebensplan ändern?

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