Liebessucht: Ohne Freiheit keine Liebe

Sebastians Geschichten liefen immer nach dem gleichen Schema ab. Er lernte eine Frau kennen, auf freier Wildbahn oder beim Online-Dating. Die Geschichten begannen wie im Märchen. Sebastian verliebte sich, die Frau erwiderte seine Gefühle, zunächst Friede, Freude, Eierkuchen. „Es hat mich wirklich nie eine Frau abblitzen lassen“, berichtet er fast stolz.

Das mit dem Verlieben ging bei Sebastian ganz schnell, heute würde er sagen, er hat gar keine Wahl im Sinne einer reflektierten Entscheidung getroffen. Wenn die Frau hübsch war und willig, war er es auch. Es ging ihm weniger ums Lieben, es ging ihm vor allem ums Geliebtwerden. Schon nach den ersten Treffen plant er sein Leben mit der neuen Frau, lässt sie an seinen Plänen teilhaben, weiht sie ein, reißt sie mit, schaut nicht, was die Frau will, wo sie steht. Sebastian geht davon aus, dass die Frauen das Gleiche anstreben wie er und in der gleichen Intensität, er gibt das Tempo vor: Verliebt, verlobt, verheiratet, Liebe. Kein Raum für Entwicklung, keine langsame Annäherung, Nägel mit Köpfen. Alles fest und eng.

Er verliebt sich immer sehr schnell

„Ich kenne das von meinen beiden Schwestern und von Freundinnen, dass sie sich häufig beschwert haben, dass die Männer, die sie treffen, alle beziehungsunwillig sind, und dann ist da einer wie ich, der echt Farbe bekennt, und die Frauen hauen ab. Das war bitter.“

Sebastian lässt den Frauen gegenüber keinen Zweifel an seinen guten Absichten. Nach dem ersten Date meldet er sich sofort am nächsten Tag, beteuert wortreich, wie wunderbar er den Abend fand, fragt nach einer weiteren Verabredung. Wenn die Frauen sich nicht gleich melden, wird er unruhig, starrt auf sein Handy, hält es vielleicht eine Stunde aus und schickt eine weitere Nachricht. In dem Stadium sind die Frauen meistens noch total begeistert, dass ein Mann derart Gas gibt.

„Das haben die mir auch gesagt, meine Partnerinnen“, sagt Sebastian eifrig, „dass sie sich gesehen und begehrt fühlen, dass sie davon geträumt haben, dass jemand auf diese Weise um sie wirbt, wie ich es tue.“


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