Ernsthafte Partnersuche: So nehmen Sie den Druck raus

Dating = cool, Partnersuche = verzweifelt? Das sieht unser Autor völlig anders und gibt Tipps, wie sich die ernsthafte Partnersuche gelassen angehen lässt

„Ich bin anspruchsvoll: Ich suche einen Partner fürs Leben“

Im Zeitalter von Dating-Apps und serieller Monogamie hört sich dieser Wunsch fast ein wenig gestrig an. Aus der Zeit gefallen. Outdated. Wer ihn offen äußert, wird dafür im Freundes- und Bekanntenkreis teilweise sogar belächelt. Denn der Zeitgeist ist ein anderer. Mein Eindruck ist: Die ernsthafte Partnersuche nach „dem Einen“ bzw. „der Einen“ wird zunehmend in die verzweifelte Ecke gerückt. Wer das Fernziel einer festen, beständigen Partnerschaft vor Augen hat und sich nicht gerne auf flüchtige Kontakte einlassen möchte, gilt bei immer mehr Menschen als unflexibel und verkrampft. Kennenlernen, so heißt es inzwischen oft, sei ein Prozess mit offenem Ausgang. Was am Ende dabei herauskommt – niemand weiß es. Und das sei auch gar nicht entscheidend. Hauptsache es macht Spaß und man hat eine gute Zeit.

Dating-Apps wie Tinder greifen diesen Zeitgeist auf und wollen bei Singles mit einem ergebnisoffenen Ansatz punkten. Da heißt es dann z.B. „Single lebt den Moment“ oder „Single küsst, wen Single küsst“. Coole, entspannte Leute treffen und dann in Ruhe schauen, wie’s weitergeht. Kein Stress. Nichts muss, alles kann. Den Partner fürs Leben suchen? Wie old-school! Und überhaupt: Auf Tinder wird nicht mehr gesucht, sondern mal geschaut, nämlich wer einem da so alles begegnet. Und vielleicht passt es ja irgendwann. Oder auch nicht. Alles gut, denn wir sind ja gechillt und wollen einfach nur das Leben feiern …

Letztlich wird so rhetorisch ein Gegensatz eingeführt, und zwar der zwischen:

„Dating“ und „Partnersuche“

Dating (Der Weg ist das Ziel) = cool, hip, modern, sexy, spannend, ergebnisoffen, entspannt, spaßig, YOLO.

Partnersuche (Das Ziel ist, was zählt) = altbacken, verbissen, spaßbefreit, überfrachtet, verblendet, realitätsfern, unflexibel, starr, verkrampft, schlimmstenfalls verzweifelt.

Ja, klar: Begriffe wie „Partnersuche“, „Partner fürs Leben“ oder „Partner(in)“ klingen anspruchsvoll. Vor allem wenn man sie dem hippen Jargon der gängigen Dating-Apps gegenüberstellt. Dort ist vermehrt von „Bekanntschaften“, „Kontakten“ oder gar „Interessenten“ die Rede. Ein Eldorado für alle, die sich nicht festlegen wollen (oder können).

Wer hingegen Begriffe wie „Partnersuche“ verwendet, hat wirklich amouröse Fernziele. Fernziele im Sinne von: Da ist der ehrliche Wunsch nach etwas Festem, Beständigem, Überdauerndem – und der Weg dorthin kann manchmal lang und steinig sein, wird aber für dieses Fernziel gerne in Kauf genommen.

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