Die Ex-Bilderflut im Smartphone

Unsere Großeltern trugen im Geldbeutel genau ein Foto der / des Liebsten. Wir archivieren dagegen Hunderte, vielleicht Tausende. Jule Blogt hat sich ihre digitale Bildergalerie auf dem Smartphone angesehen

Als ich vor einigen Tagen die Bildergalerie meines Smartphones durchblätterte, stellte ich mit einem Unbehagen fest, wie lange ich doch nun schon Single war. Die fast vollständigen zwei Jahre spiegelten sich in Party-, Katzen- und Männerfotos wider. Apropos Männerfotos, wer war das da gerade nochmal? Der hübsche junge Herr, der so schön vor der Kamera posiert? Ah, Gott sei Dank habe ich einen Screenshot vom Tinder-Foto gemacht, sodass ich zumindest den Vornamen und das Alter verewigt habe. Ohne diese Beweisstücke meiner Dating-Vergangenheit hätte ich vermutlich schon die Mehrheit der kurz da gewesenen Männer vergessen. Da war doch mal einer … Polizist oder so … wie hieß der gleich noch? So‘n Blonder … ach, das ist erst ein Jahr her? Wie die Zeit vergeht …

Sortiert das Hirn verflossene Dates einfach aus?

Verdränge ich diese Dates nur oder sortiert das Hirn ab einer gewissen Anzahl an neuen Menschen im Leben automatisch aus? Fliegt für jeden neuen Kontakt ein alter aus dem Hirn? Sozusagen ein Friedhof verflossener Dates irgendwo im Müllcontainer meiner Synapsen? Na Gott sei Dank haben diese Dates wenigstens die ein oder andere digitale Fußspur hinterlassen. Facebook hat für so etwas die tolle Funktion erfunden, die mich daran erinnert, was vor einem, zwei, drei oder sogar fünf Jahren passiert ist. Jedes Mal wieder erschrecke ich mich und denke: Verdammt, warst du an diesen Momenten überhaupt anwesend oder warum ist dir am Ende kaum etwas in Erinnerung geblieben?

Weitere interessante Beiträge