Dating-Rituale – Fluch oder Segen?

Jule Blogt hat Erfahrung mit einigen Dating-Ritualen, die Menschen einander näher bringen. Aber ist es sinnvoll, sich tatsächlich auf Dating-Rituale zu verlassen?

Mein Eisverkäufer weiß besser über mein Liebesleben Bescheid als mein bester Freund! So ist zumindest manchmal mein Eindruck. Ich gehe mit jedem potenziell interessanten Mann mindestens einmal eine Kugel Eis essen. Ja, sogar im Herbst oder frühen Winter! Abgesehen davon, dass ich ziemlich auf Eis stehe, hat das auch einen großen Bezug zu meiner Partnerwahl. Schon in jungen Jahren war eine meiner ersten Fragen an Männer, welche Eissorte sie denn bevorzugen würden. „Schoko oder Vanille?“ sollte mir Aufschluss darüber geben, ob der Kandidat zu mir passen könnte. Schwierig wurde es, wenn derjenige doch lieber Fruchteis aß – dafür hatte ich keine Interpretation parat. Meine jahrelangen Studien bezüglich dieser Frage ergaben, dass ich in Sachen Männergeschmack doch eher die Schoko-Variante wählen sollte, da Vanille-Männer einfach nicht zu mir passten. Bevor ich meine Vorliebe für Eisdates entdeckte, gehörte ich zu den passionierten „Spaziergang-Datern“. Jeder neue Kontakt wurde auf einen Spaziergang entführt um zu checken, auf wen ich mich da eingelassen hatte. Ich muss insgesamt schon einmal um die Welt „gelaufdatet“ sein, glaube ich. Zugegeben, bei unter 0 Grad war das keine angenehme Angelegenheit.

Im Dating-Rituale entwickeln bin ich absolute Spitze!

In jungen Jahren brauchte es nicht mehr als diesen kurzen Check um festzustellen, ob man sich zumindest mit dem potenziellen Kandidaten unterhalten konnte. Die Ansprüche waren noch relativ gering und man ließ sich viel schneller auf einen anderen Menschen ein. So war zumindest mein Eindruck. Je mehr Erfahrungen ich jedoch mit den Männern sammelte, desto länger und intensiver wurden auch die Kennenlernphasen. Auf einmal reichten nicht mehr nur die Eisauswahl und der kurze Spaziergang um festzustellen, dass ich einen tollen Menschen vor mir hatte. Ich begann mit der Zeit, neue Dating-Rituale zu entwickeln. Ich suchte mir ein nettes Café und führte meine Verabredungen dorthin aus. Es war eine bewusste Entscheidung, immer die gleiche Location zu wählen. Hier fühlte ich mich wohl, hier war ich die Hausherrin. Das gab mir eine gewisse Sicherheit in einer so unsicheren Situation. Dieses Dating-Ritual funktionierte normalerweise hervorragend. Meinen Erfahrungen geschuldet bedeutete ein gutes Date allerdings nicht gleich die große Liebe, sondern höchstens ein weiteres nettes Treffen. Also musste mein Mann-Prüfungsprozess ausgeweitet werden. Ich begann „Lebensmittel einkaufen gehen“, „Die Lieblingsbar besuchen“ und „Kino“ hinzuzufügen. Lebensmittel einkaufen? Ja, richtig gelesen! So banal wie es klingt, aber das kann Beziehungen zum Scheitern bringen. Bei einem gemeinsamen Einkauf stellt sich schnell heraus, ob man an einem Pfennigfuchs oder Markenkäufer Interesse gezeigt hat. Könnte ich mit jemandem zusammen sein, der auf jeden Cent schaut und stundenlang Angebote durchforstet? Nein! Das würde mich zur Weißglut bringen.

Shopping als Date? Das geht doch nach hinten los!

Ich muss es ehrlich zugeben, ich habe mich sogar schon einmal im Supermarkt verliebt. Zwischen Kühlregalen griffen mein Date und ich wie von Geisterhand zu den gleichen Produkten und machten einen schnöden Einkauf zu einem Erlebnis. Unserem Erlebnis! Ich sehe es schon vor mir, das neueste Reality Dating-Format: Liebe zwischen Butter und Eiern. Es sind schließlich die kleinen Dinge, die im späteren Zusammenleben passen müssen.


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