Ist das Schicksal oder nur ein schöner Zufall? – Finn und Lea und das unverhoffte Wiedersehen

Diesmal nimmt unsere Kolumnistin Anna Zimt uns mit in die Großstadt und lässt uns am Wiedersehen ihrer Freunde Finn und Lea teilhaben

„Anna“, nervös knibbelt Lea an ihren Fingernägeln und guckt mich hilfesuchend an. „Ich weiß nicht was ich machen soll. Er fehlt mir irgendwie. Meinst du, wir werden uns wiedersehen? Das kann es doch nicht gewesen sein. Oder glaubst du, es hat nicht sollen sein? Oder geht es genau darum: Sollten wir uns nach all den Jahren wiedersehen? War das Schicksal?

Lea sprach von Finn. Viele Jahre hatten sich die beiden nicht gesehen. Eigentlich seitdem sie das Abschlusszeugnis in den Händen hielten. Aber wirklich gekannt hatten sie sich nicht. Sie kannten zwar die gleichen Leute, aber so richtig miteinander geredet hatten sie damals auf dem Pausenhof, während sie alle heimlich rauchten, nie. Er war zu cool und zu leise. Und sie zu wild und zu laut. Zumindest taten beide so.

Jeder ging seinen eigenen Weg

Die Jahre vergingen und sie gingen ihre Wege. Leise und laut so vor sich hin. Finn baute Bühnenbilder am Theater und hielt sich hinter den Kulissen auf. Lea studierte erst Psychologie, landete aber dann irgendwie doch beim Fernsehen und vor der Kamera. Zwei Menschen, zwei Städte, zwei Leben. Und doch trafen sie sich eines Tages zufällig auf einer Straße in Berlin. Finn lebte dort. Und Lea war wegen eines Jobs in der Stadt.

„Finn? Bist du das?“, hatte sie ihn angelacht und vergaß vor Überraschung fast ihren Coffee to go zu bezahlen.

„Hey, krass. Was machst du denn hier? Wohnst du hier?“, hatte er geantwortet und sie waren noch ein paar Meter gemeinsam vom Café in Richtung U-Bahn gegangen.

„Hast du Lust heute Abend was trinken zu gehen?“, fragte Lea Finn zum Abschied. Und er hatte ja gesagt.

Ein paar Stunden später trafen sie sich wieder. Sie waren beide aufgeregt. Oder gespannt. Oder irgendwie beides. Warum wussten sie noch nicht so genau. Aber sie wussten es beide auf ihre Art zu überspielen. Der eine leise, indem er nervös lächelte, wenn sie einen Witz machte. Die andere laut, in dem sie nervöse schlechte Witze riss.

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