Warum es okay ist, auf Vanillasex zu stehen

Unsere Autorin Nadine Primo ist der Meinung, dass wir unseren Partner:innen beim Vanilla Sex zwar auch unsere Körper, aber vielmehr noch unsere Seele anvertrauen…

Nicht nur auf Porno-Plattformen geht es seit geraumer Zeit immer rougher zu, sondern auch auf Dating Apps. Zumindest könnte dieser Gedanke entstehen, wenn man durch einige Profile scrollt. Natürlich ist die Wahl der App hierbei noch mal auschlaggebend, denn nicht jede Dating App ist insgeheim eine Sex App. Es gibt sie, diese Plattformen, auf denen die User:innen ihre sexuellen Wünsche und Vorlieben explizit angeben können. Hier ist mir recht schnell eines aufgefallen: „kinky, rough, dominant devot dynamics, no vanilla“ erscheinen auffallend oft unter den beliebten Kategorien.  

Manche waren über den Punkt scheinbar schon hinaus, oder haben ihn niemals erreicht und schreiben, dass sie „gerne auch vanilla“ Menschen kennenlernen würden, denn sie sind auf der Suche nach einer echten Verbindung. Vorneweg: Vanilla bedeutet „konservativer Sex, ohne jegliche Form von Fetisch oder BDSM-Praktiken. Der Begriff kommt aus der BDSM-Szene und wurde als – teilweise abschätzige – Bezeichnung für „weiche Spielpartner: innen“ verwendet, deren sexuelle Sehnsüchte nicht unbedingt über die Standardsexstellungen hinausgehen. Also in etwa so, wie das Vanilleeis, wenn es um Vorlieben an der Eisdiele geht.

Zärtlichkeit und Intimität im Fokus 

Blümchensex unterscheidet sich hiervon noch einmal, denn der muss nicht zwangsläufig Penetration beinhalten. Blümchensex könnte also auch ein Synonym für Petting sein. Vanillasex hingegen nicht, denn hierbei kommt es zur Penetration, aber eben auf eine vergleichsweise leidenschaftlich-liebevolle Art.  Liegt ja auch nahe, denn in der Missionarsstellung ist es schwieriger Blickkontakt auszuweichen und wir nehmen automatisch mehr Kontakt zu unseren Liebhaber:innen auf. Man ist sich näher, schaut dem anderen ins Gesicht – in die Augen. Das kann sehr intim sein. Nicht jede/r kann Blickkontakt standhalten. Wir unterschätzen die Macht der Blicke. 

Damit will ich nicht sagen, dass BDSM-Praktiken keine Intimität beinhalten. Im Gegenteil: es ist eine andere Form von Intimität, die auf einem tiefen Vertrauen beruht. Viele BDSM-Praktiken können ohne bedingungsloses Vertrauen und Hingabe nicht sorgenfrei ausgeführt werden. Dabei müssen Schlagen, Würgen, Fesseln nicht zwangsläufig dazu gehören, in erster Linie geht es um Machtdynamiken. Du vertraust dem/der anderen deinen Körper an.  

Einfach ausgedrückt: Sex in der Missionarsstellung fördert Intimität

Das ist auch bei Vanillasex der Fall. Ich würde fast so weit gehen und behaupten, dass wir bei Vanillasex unseren Partner:innen zwar auch unsere Körper, aber vielmehr noch unsere Seele anvertrauen. Denn ein Blick in die Augen gleicht manchmal einem Blick in die Seele. Wir nehmen uns wirklich wahr. Ein Körper kann eben auch nur ein Körper, und damit austauschbar, sein. Aber unsere Seele ist ebenso einzigartig wie unsere Energie, die wir über die Augen– unsere Blicke – verströmen.  

Jede/r kennt sie, diese Momente, in denen du vielleicht nicht wirklich bei der Sache bist. Oder mehr Inspiration brauchst, um in Fahrt zu kommen, als dir in dem Moment gegeben werden kann (warum auch immer) und du versinkst in deinen Gedanken – deiner Fantasie.  


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Zugegeben, als ich die Anfrage bekam, ob ich über dieses Thema schreiben möchte, war ich anfangs unsicher. Ich bin nun wirklich keine Sexpertin für Drogen und Alkohol. Je länger ich aber darüber nachdachte, desto spannender fand ich diese Thematik. Ich stürzte mich also in interessante Gespräche mit meinem Bekanntenkreis und staunte nicht schlecht. Außerdem stolperte ich über Studien mit erstaunlichen Erlebnissen.