Vertraut mehr auf euer Bauchgefühl

Haben wir am Ende vielleicht weniger Bauchschmerzen, wenn wir mehr aus dem Bauch heraus reagieren? Eine Frage, die unsere Autorin Nadine Primo anhand ihrer eigenen Gefühlswelt reflektiert.

Die eigenen Gefühle sind interessanterweise immer noch die verworrensten, obwohl sie einem am nächsten sind. Zumindest geht es mir so. Gerade in diesen verrückten Zeiten, in denen wir gefühlt täglich von neuen Restriktionen hören, während die Infektionszahlen nicht wie erhofft sinken. Ein Ende scheint seit Oktober nicht so schnell in Sicht. Die erste Welle war leichter, sie wirkt im Vergleich zu jetzt wie eine harmlose, kurzzeitige Flut. Der Winter tut sein Übriges und die langen, meist grauen, oftmals dunklen Tage wirken wenig hoffnungsvoll.  

Viele Pläne wurden dieses Jahr durchkreuzt, einige Träume konnten nicht realisiert werden.

Egal ob Hochzeiten, Abifeiern, geplante Auslandsjahre, Urlaubspläne oder für viele der normale berufliche Alltag, der auf einmal aus den Fugen geriet. All das Geplante und die Vorfreude auf Events, Veränderungen oder Auszeiten war umsonst und es gilt sich an die derzeitigen Zustände zu gewöhnen. Der Sommer wirkt im Nachgang wenig verkrampft, auch wenn wir dafür jetzt die Quittung zu kriegen scheinen. Der ein oder die andere denkt sich jetzt vielleicht „wieso bin ich nicht letztes Jahr bereits in den Urlaub geflogen, als ich es wirklich gebraucht hätte? Wieso habe ich aus Vernunft noch weitergearbeitet und gewartet, bis es letztlich nicht mehr möglich ist?“.  

Auch als frischer Single hat man sich den kalten Winter sicher weniger einsam und dafür mit abwechselnden Kuschelpartner*innen vorgestellt. Zumindest ging es mir so. Versteht mich nicht falsch, aber als Single in einer neuen Stadt ohne festen Arbeitsplatz und Freizeitangebot ist es an manchen Tagen doch einsam. Und die Erinnerung an den letzten Winter, in dem Mensch wenigstens unbesorgt daten und gemeinsam (fremde) Betten wärmen konnte, sind vorbei. Vorerst.  

Mein Jahr war gefühlt so einsam wie keins zuvor.

Aber das ist gar nicht mal negativ gemeint, es war eine gute Zeit. Es fühlt sich an, als wäre ich daran gewachsen. Zeit für sich selbst zu haben ist nun mal auch ein Privileg und nicht unbedingt selbstverständlich heutzutage. Zu viel Zeit kann natürlich auch nicht gut sein, denn Gedankenstrudel finden in Langeweile ihren perfekten Nährboden.  

Sich selbst zu beschäftigen ist einfach, es gibt so viele Möglichkeiten sich kreativ auszudrücken. Wenn man lieber konsumiert statt produziert, kann man sich auf sämtlichen Streaming Plattformen und Shopping-Seiten unterhalten lassen und neue Dinge entdecken. Aber das ist alles nicht besonders nachhaltig. Es ist eine Beschäftigungsmaßnahme, während wir alle gerade eigentlich was anderes tun würden, bzw. dieses Jahr getan hätten.  

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