Zusammenziehen als „Corona-Paar“ – Will ich das wirklich schon?

Liebe in Zeiten von Corona ist nicht einfach. Wir kennen uns seit Beginn der Pandemie und nun ziehe ich zu ihm – in eine andere Stadt, nicht mal ein Jahr später. Zu früh?

“Congratulations!” 

“ Wow so you’re doing the next big step! Where are you moving to?” 

Zahlreiche Kommentare finden sich unter meinem Facebook Post. Mein “neuer” Freund und ich haben uns zu Beginn der Pandemie im April kennengelernt und ziehen nun, noch nicht mal ein Jahr später, zusammen. Mit beinahe 40 habe ich einen Single Mann ohne Kinder, der bereit ist für eine ernsthafte Beziehung und der mich auf Händen trägt und jeden Tag zum Lachen bringt, kennengelernt.  

Klingt fantastisch und besonders meine Single Freundinnen sind ganz aus dem Häuschen und meinen, das sei “ein Riesenglück”, “ein Sechser im Lotto” und jetzt wäre ich “angekommen” oder hätte “es geschafft”.  

Ich bin auch dankbar und glücklich, gerade in dieser Krise die Liebe gefunden zu haben.  

Zusammenziehen und Corona: Schlechter Kompromiss?

Wer jedoch mit sich hadert, das bin ich. Denn das neue Glück bedeutet auch  Kompromisse, die andere, sehr positive Aspekte meines bisherigen Single Lebens, beeinträchtigen. 

Der Plan des gemeinsamen Glücks bedeutet konkret: Wir ziehen in seine Heimatstadt Rotterdam, mieten ein Jahr eine Wohnung, um festzustellen, wie es sich so zusammen lebt. Um dann gegebenenfalls etwas gemeinsames zu kaufen. Hier in den Niederlanden ist es gebräuchlich und einfacher zu kaufen. Die Hypothek abzuzahlen ist billiger als zu mieten und es ist auch steuerlich viel attraktiver, als in Deutschland.  

Ist es schlau mit ihm zusammenzuziehen, frage ich mich manchmal? 

Das passt nämlich eigentlich gar nicht zu mir. Erst recht nicht nach so langer Zeit des unabhängigen, karriereorientierten Single-Lebens und so kurzer Zeit Beziehung. 

Von vorne anfangen

Es bedeutet für mich auch:  Weg aus Amsterdam, wo ich mir in den letzten 8 Jahren ein neues Leben aufgebaut habe. In Rotterdam hat er alles, Arbeit, Familie, Freunde und seine gewohnte Umgebung. Ich fange von vorn an. Es gibt weniger Arbeitschancen für mich, die Stadt ist nicht so international wie Amsterdam, der Flughafen liegt weiter weg und ich kenne hier niemanden, was sich dank der Pandemie auch nicht so schnell ändert. 

Doch in dieser Zeit, wo Corona die ganze Welt im Griff hat, ist alles anders und das frühe Zusammenziehen rettet mich in gewisser Weise auch, emotional und psychisch. 

Ich bin immer viel gereist und habe hart gearbeitet und mir in Amsterdam vor fünf Jahren eine kleine, sehr charmante Eigentumswohnung gekauft. In einem lebhaften Viertel mit vielen Cafes, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten.  

Toll, wenn man fast nie da ist, viel arbeitet und reist.  

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