Wie ist es, nach zehn Jahren das erste Mal mit einem anderen Mann zu schlafen?

Offene Ehe: Nach 10 Jahren hat unsere Autorin das erste Mal Sex mit einem anderen Mann. Wie fühlt sich das an und macht es etwas mit ihr und ihrer Beziehung?

Wir sind in seinem WG Zimmer. In einem Anflug von Schüchternheit habe ich gesagt, ich würde nur zum „Schnacken“ vorbeikommen. Zum Reden. Ich weiß nicht warum. Ich weiß genau warum ich da bin. Ansonsten hätte ich mich wohl kaum komplett rasiert und meine Unterwäsche aufeinander abgestimmt. Wahrscheinlich wollte ich mir mit diesen Worten die letzte kleine Reißleine für einen Rückzug lassen. Als ob wir einen Vertrag abschließen würden, wenn ich ihm und mir eingestehen würde, was ich von diesem Treffen erwarte. Ich kann jederzeit gehen! Das sage ich mir immer wieder.

Aber ich will nicht. Das hat sich aufgestaut. Vielleicht vögeln wir nur einmal und dann ist die Luft raus. Vielleicht ist er gar nicht so gut im Bett wie er immer tut. Vielleicht bin ich doch nicht die Frau, die ich denke zu sein. Vielleicht ist Sex doch mehr für mich. Ich habe zehn Jahre lang nur mit einem Mann geschlafen und davor mit lediglich zwei Anderen, die beide genauso unerfahren waren wie ich. Ich weiß nicht, wie viele Frauen mein Date vor mir hatte, aber ich denke, dass es nicht wenige waren. Vielleicht gehöre ich doch zu den Frauen, die nur mit jemandem schlafen können, in den sie verliebt sind. Früher dachte ich das von mir. Doch wenn wir ehrlich sind. Ich war neunzehn. Als ob man da wüsste was man eigentlich will. 

Tausend Gedanken rauschen mir durch den Kopf

Ich habe einen Kloß im Hals. Das hier fühlt sich an, als würde ich mein erstes Mal erneut erleben. Es ist ein paar Monate her seit mein Mann und ich darüber gesprochen haben unsere Beziehung zu öffnen. Es ist etwa zwei Monate her, seit Luna in unserer Beziehung gekommen ist. Alles ist noch etwas holprig und neu. Wir lernen uns noch kennen. Bisher war eine unserer Beziehungsregeln: kein Sex mit einem anderen Mann. Zu groß war die Angst meines Mannes, ich könnte ihn ersetzen.

Doch jetzt ist es anders. Vielleicht hat er durch die Liebe zu Luna gemerkt, dass sich seine Gefühle zu mir nicht geändert haben. Oder er brauchte einfach Zeit, um sich sicherer zu fühlen in dieser neuen Welt. Jedenfalls sagte er auf einmal zu mir, dass es okay sei. Und ich war euphorisch! Bis ich seine Bedingungen hörte. Er wollte wissen wer und wann. Ich schluckte etwas. Irgendwie missfiel mir diese Einschränkung. Ich sollte vorher sagen, wenn es dazu kam? Na toll. „Das nimmt mir doch jede Möglichkeit auf Spontanität!“, warf ich ein. 

Irgendwie war mir der Gedanke unangenehm, dass ich vorher Bescheid geben sollte

Was wenn es dann doch nicht dazu kam. Sollte ich dann auch eine Nachricht schicken mit „Kommando zurück! Der Adler ist nicht gelandet?“ Was versprach er sich davon? 

„Ist das nicht total komisch für dich, wenn du dann grade auf der Arbeit bist und dein Kopfkino dir irgendwas vorspinnt, wo und wie ich gerade mit einem Anderen schlafe? Wäre es nicht viel einfacher, es sich nicht gegenseitig aufs Brot zu schmieren?“ 

Aber es war nichts dran zu rütteln. Er wollte wissen mit wem und wann. Für ihn war die Unbekannte schlimmer als die Sicherheit, die er sich durch Details versprach. “Es geht auch nicht unbedingt um jedes Mal. Ich will nur wissen wie es sich für mich anfühlt und Zeit haben darüber nachzudenken, bevor wir uns sehen.“, sagte er. 

Wissen wie es sich anfühlt… ja das wollte ich auch. Würde es etwas an uns ändern? 

Das Wer war schnell geklärt. Denn ich hatte einen Freund vom Sport, den ich schon länger sehr anziehend fand und von dem ich wusste, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte. Also tat ich den ersten Schritt und erzählte dem Sportler von der Öffnung meiner Ehe. Ich war so unendlich nervös. Und er so unendlich verständnisvoll. 


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