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Warum jeder mal in einen Sex Shop gehen sollte

In unserem ach-wie-aufgeklärten 21. Jahrhundert ist Sex allgegenwärtig. Zugleich ist das eigene Sexleben doch für einige ein Tabu-Thema. Was helfen kann, um ein wenig Schwung zwischen die Laken zu kriegen: ein Besuch im Sex Shop. Eine, die sich bestens auskennt, ist Candy Bukowski. Sie arbeitet als Verkäuferin in der „Boutique Bizarre“ auf der Hamburger „Sündenmeile“ Reeperbahn und hat nun ein Buch über ihre täglichen Erlebnisse und die Wünsche der Kunden veröffentlicht. Unser Buch-Tipp

Die Autorin holt Sex Shops, Toys und Kunden raus aus der Schmuddelecke. Denn egal, ob jung oder alt, Paar oder Single: Beinahe jeder war schon mal da. Nur reden die wenigsten darüber. Candys Lesungen sind ausverkauft. Dafür, dass angeblich niemand jemals einen Sex Shop betritt, verwundert das dann doch … 😉

Wir haben Candy Bukowski zum Interview in der Hamburger „Boutique Bizarre“ getroffen, stellen Ihnen einen Auszug aus „Eine neutrale Tüte bitte“ vor.

Interview mit Candy Bukowski

Candy begrüßt uns im Basement der Boutique Bizarre. Zwischen Ouvert-Slips, High Heels und Latex-Kostümen beginnen wir ein herrlich offenes und fröhliches Gespräch über die schönste Nebensache der Welt. „Manchmal wünsche ich mir einen Penis“, lacht sie. „Es gibt so unfassbar viele tolle Toys!“ Zwischendurch fragt Candy Kunden, ob sie ihnen weiterhelfen könne und gibt hilfreiche Tipps. Alle fühlen sich bei ihr sichtlich gut aufgehoben; sie strahlt Diskretion und Expertise aus.

Wie wird man Verkäuferin im Sex Shop?

Ich hatte als freie Redakteurin schon immer mit Erotik zu tun; und dann irgendwann, mit über 40, wurde ich durch einen Zufall in der Boutique Bizarre angespült. Dann stellt man sich die entscheidende Frage: Möchte ich das machen oder nicht? Ich habe es gemacht und es war richtig.

Kommen mehr Paare oder vor allem Singles in die Boutique?

Das hält sich die Waage, bei uns kommen sowohl Paare als auch Singles. Und sie verhalten sich sehr unterschiedlich. Ich freue mich über jedes Paar, das kommt, weil es meistens zu den Glücklicheren zählt, zumindest, wenn sie bewusst herkommen. Paare, die eher zufällig mal reinschlendern, sehen weniger happy aus.

Hat sich etwas verändert, glaubst du, die Menschen sind sexuell offener als vor, sagen wir, fünf Jahren?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube tatsächlich, dass die Menschen offener geworden sind. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob wir es dabei geschafft haben, unsere Sexualität in eine positive Offenheit mitzunehmen. Wir sind ständig von Sex umgeben und ich habe manchmal den Eindruck, dass der Mensch so wie er Sex im Außen wahrnimmt, wie er ihm präsentiert wird, auf seine eigene Sexualität überträgt. Das heißt zwar, dass wir viele Berührungspunkt mit Sex haben, wir aber nicht unbedingt viel über unsere eigenen Bedürfnisse wissen. Das ist der Zwiespalt, an dem wir etwas ändern sollten: Die eigene Sexualität positiv wahrzunehmen und abzutrennen von diesem pornografischen Bild, das draußen existiert.

Stehen Frauen heute mehr zu ihrer Sexualität als frühere Generationen?

Das ist eine spannende Geschichte. Ich glaube, auch da teilt es sich. Zum einen gibt es junge Frauen, die etliche Jahre lang fast besessen davon sind, männliche Wünsche zu erfüllen, und das geht natürlich schief, es hat mit ihrer eigenen Sexualität nichts zu tun. Und dann gibt es andere, oftmals Anfang 30, denen es um ihre eigene Sexualität geht. Sie sind bewundernswert, tolle Frauen. Wir hatten im letzten Jahr eine Womanizer-Aktion in der Boutique Bizarre, da hatten wir eine Kabine eingerichtet, in der dieses Produkt hier bei uns getestet werden konnte. Die Frauen haben sich darauf eingelassen, sind Schlange gestanden und haben den Womanizer einzeln getestet. Sie kamen fröhlich und beseelt aus der Kabine wieder heraus und waren bereit, zu anderen Frauen im Laden zu sagen: „Musst du probieren, tolles Produkt“. Diese zwei gegenteiligen Frauentypen sind sehr spannend und ich glaube, es tut sich sehr viel in den ersten erwachsenen Jahren.

Sollte jedes Paar deiner Meinung nach einmal in einen Sex Shop gehen?

Es bleibt natürlich jedem Paar selbst überlassen, das für sich zu entscheiden. Ich erleb‘ hier ja beide Paare. Die, die absichtlich, gerne und bewusst kommen. Und die, die durch Zufall reinkommen. Und, unter uns, die, die konkret suchen und Spaß daran haben, sind positiv, lebenslustig, glückliche Menschen. Und bei den anderen sieht es etwas anders aus. Ich glaube, das ist der Grund schlechthin, unter Umständen einfach mal einen Sex Shop zu besuchen und gemeinsam zu gucken, was bringt uns das (oder auch nicht). Aber diese Etappe im Sexualleben sollte man nicht überspringen, die kann einem ganz schön was retten oder erweitern. Und das ist ein Baustein für die Zukunft.

Und wie überzeuge ich meinen Partner vom Besuch im Sex-Shop?

Man kann einen Zufall initiieren und nutzen. Also „zufällig“ vorbeizuschlendern und zu sagen „Mensch, lass uns da mal reingehen“. Das kann bei manchen Partnern die richtige Wahl sein.
Mein Tipp ist aber: offen miteinander sprechen. Sprechen bringt uns in allem so viel weiter. Sprecht, Leute! Wichtig ist, dass jeder weiß, er kann sagen, was ihn kickt und was ihn nicht kickt. Was der andere nicht mag, was für ihn ein No-Go ist, muss genauso viel Platz haben. Dann findet man gemeinsam einen super Weg. Und ich finde, das ist ein Beweis von Liebe.

Vielen Dank für deine Zeit!

Und weiter geht’s mit einem Buchauszug und am Ende des Artikels unserem Gewinnspiel.

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