„Schatz, … ich muss dir etwas sagen.“ – Wie spreche ich an, dass ich mit anderen schlafen möchte?

Unsere Autorin Mia liebt ihren Mann über alles. Aber sie möchte auch mit anderen schlafen. Nur, wie sagt man es dem Partner?

Jedes Mal, wenn ich es ansprechen möchte, geht es mir gleich. Die Kehle schnürt sich zu, die Ohren werden heiß und es läuft mir kalt den Rücken hinunter. Aber wenn ich es ihm nicht sage weiß ich, dass ich irgendwann einen Fehler begehen werde, den ich dann vielleicht nicht wieder gut machen kann. Wir sind doch auch sonst immer ehrlich zueinander. Ich weiß, es mag kitschig klingen, aber mein Mann und ich haben keine Geheimnisse voreinander. Bis auf dieses eine.

Wir sind seit fast zehn Jahren zusammen. Haben schon so einige Höhen und Tiefen überstanden, Klippen umschifft, Berge erklommen und all die ganzen anderen Phrasen, die man nutzt um zu verdeutlichen, dass man diesen einen Menschen gefunden hat, mit dem man alt und fett werden will. Der einen an den besten und schlimmsten Tagen erlebt hat und trotzdem noch zu dir steht.

Wie soll ich also meinem Mann sagen, dass ich andere Menschen treffen und mit ihnen schlafen möchte?

Wie soll ich meinem Ehemann, der Liebe meines Lebens sagen, dass ich mich in jemanden verguckt habe? Wie kann ich ihm sagen, dass ich ihn deshalb nicht weniger liebe, wenn uns doch an jeder Ecke eingebläut wird, dass es nur die EINE, echte, wahre Liebe geben kann? Wenn ich ihm sage, dass ich andere Menschen begehre, dann wird er es als einen Beweis dafür sehen, dass die Liebe, die ich für ihn empfinde, weniger geworden sein muss. Denn wie könnte ich sonst überhaupt auf die Idee kommen? Wie lächerlich ist doch der Gedanke, dass ein Mensch mehr als einen anderen auf romantische Weise lieben könnte.

Nein, das ist nicht richtig … Was stimmt denn nur nicht mit mir? Oder stimmt etwas mit unserer Beziehung nicht?

Ich wünschte mir er wäre ein Arschloch. Jemand der es verdient, dass man ihn betrügt, damit ich eine Rechtfertigung für meine Gefühle habe. Ich habe schon bemerkt, wie ich nach Fehlern suche, um mir selbst die Erlaubnis geben zu können ihn zu betrügen. Er hat die Spülmaschine schon wieder nicht ausgeräumt, obwohl ich ihn doch zum tausendsten Mal darum gebeten habe? Das ist doch mindestens einen heimlichen Kuss mit dem Arbeitskollegen wert! Er hat mir heute nicht zugehört als ich von der Erkältung meiner Freundin erzähle? Er hört mir ja sowieso nie zu, vielleicht tut es ja ein Anderer.

Verdammt, ich wünschte es wäre so einfach … Doch so ist es nicht. Denn da ist nur Liebe für diesen perfekten, unperfekten Mann. Und Schuld … so viel Schuld.

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