Rollenspiele – Warum wir manchmal jemand anders sein müssen, um ganz wir selbst zu sein

Rollenspiele können schnell albern oder peinlich wirken, aber Paare, die sich darauf einlassen, können neue Seiten ihrer Beziehung entdecken.

Fantasie gehört zum Sex, wie Gin zum Tonic. Lust entsteht im Kopf, Gedanken sind Katalysatoren für sexuelle Erregung. Unsere Fantasie bewusst zu stimulieren, kann uns also besseren Sex verschaffen. Rollenspiele sind dazu bestens geeignet und werden deswegen schon seit Jahrhunderten in unseren Schlafzimmern praktiziert. Sogar in den Ruinen mittelalterlicher Bordelle fand man schon verschiedenste Kostümierungen. Dabei kommen Rollenspiele auch ganz ohne Verkleidung und viel Tamtam aus. Wir erklären, worin der Reiz liegt und wie sie euer Sexleben bereichern können, ganz ohne Schulmädchen-Outfit. Außer ihr steht drauf, dann bitte zum Diktat!  

Was ist ein Rollenspiel?

Fernab jeglicher sexuellen Assoziation ist ein Rollenspiel ein (Schau-)spiel, bei dem man eine andere Person verkörpert. Schon im Kindesalter üben wir uns oft darin. Rollenspiele tragen zur Empathie-Entwicklung und Selbstfindung bei. Deshalb wird auch in der Psychotherapie häufig darauf zurückgegriffen. Sprechen wir über Rollenspiele beim Sex, wie sie besonders im BDSM-Bereich ausgelebt werden, spielt man hier mindestens zu zweit. Also mit einer anderen Person, die üblicherweise den Gegenpart zur eigenen Figur einnimmt. Beide schlüpfen dabei in eine (fiktive) Rolle, deren Charaktereigenschaften sie für die Dauer des Spiels übernehmen. Natürlich kann und darf das auch optisch unterstrichen werden, mit dem richtigen Outfit oder Make-up.

Bleib du selbst oder erfinde dich neu

Es gibt unzählige Möglichkeiten für Rollenspiele. Bevor ihr euch jetzt aber in ein Pferdegeschirr schmeißt, um im Galopp neuen Schwung ins Liebesleben zu bringen, bleibt gerne erst einmal bei euch selbst. Ein Rollenspiel kann nämlich schon damit beginnen, bestimmte eigene Charaktereigenschaften besonders zu betonen, während man andere für den Moment zurückhält.

Die Urform des Rollenspiels ist die simple Aufteilung der Partnerpersonen in dominant und submissiv. Auf diesem Machtgefälle basieren die meisten der gängigen sexuellen Rollenspiele. Du kannst also ganz du selbst sein, nur eben eine besonders devote oder dominante Version von dir. Dabei musst du dich nicht festlegen. Probiere ruhig regelmäßig beide Seiten aus, um herauszufinden, womit du dich am wohlsten fühlst. Manchmal verändert sich so eine Vorliebe auch im Lauf der Zeit.

Natürlich bietet ein Rollenspiel auch die spannende Möglichkeit, die eigene Identität für eine Weile komplett abzulegen. Viele Menschen finden es einfacher besonders dominant oder devot zu handeln, wenn sie nicht sie selbst sind, sondern eine andere Figur verkörpern. Wie gesagt, Kostüme oder bestimmte Accessoires können dabei eine Rolle unterstreichen, sodass man sich noch besser in sie hineinversetzen kann. Vorausgesetzt man fühlt sich wohl und sicher darin. Denn Plastikhandschellen und Polizeihut aus dem Euro-Shop triggern vermutlich eher die Lachmuskeln als die Libido. Ein gutes Hemd, eine Bluse, ein Rock oder eine Sonnenbrille sind für den Anfang die bessere Wahl.

Die meisten Rollen lassen sich eindeutig einer Top oder Bottom Seite zuordnen. Lehrer, Krankenschwestern, Chefs und Priester haben die Kontrolle. Ihre Gegenspieler, die Schulmädchen und -jungen, Patient:inn:en und Co. gehorchen üblicherweise. Natürlich ist das kein geschriebenes Gesetz, auch ein:e Sektretär:in kann ihrem/seinem Chef mal Beine machen oder sich absichtlich frech verhalten. Die Fantasie hat hier freien Lauf und ihr dürft nach Lust und Laune alle Klischees (auf denen die Rollenspiele meistens basieren) umkrempeln.  


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Zugegeben, als ich die Anfrage bekam, ob ich über dieses Thema schreiben möchte, war ich anfangs unsicher. Ich bin nun wirklich keine Sexpertin für Drogen und Alkohol. Je länger ich aber darüber nachdachte, desto spannender fand ich diese Thematik. Ich stürzte mich also in interessante Gespräche mit meinem Bekanntenkreis und staunte nicht schlecht. Außerdem stolperte ich über Studien mit erstaunlichen Erlebnissen.