Was Sie über aktive und passive Beziehungsverweigerer wissen sollten

Immer häufiger heißt es “Ich gerate immer an die Falschen”. Oft ist das ein Zeichen einer unbewusst vermeidenden Bindungshaltung. Warum nehmen diese Fälle zu?

Ich gerate immer an den Falschen beziehungsweise „Ich habe noch nicht den oder die Richtige gefunden!“ ist eine der typischen Aussagen von bindungsängstlichen Menschen. Das Problem ist, dass die meisten Betroffenen gar nicht wissen, dass sie unter Bindungsangst leiden, weil sie ja ein starkes Bedürfnis nach einer Partnerschaft verspüren. Die Probleme setzen immer erst dann ein, wenn die Beziehung verbindlicher wird. Es gibt nicht wenig Bindungsängstliche, die sogar verheiratet sind, aber innerhalb der Ehe immer für genügend Distanz sorgen, indem sie sich in Arbeit flüchten, lustlos sind beziehungsweise ihre Sehnsucht in außerehelichen Affären ausleben.

Ein typisches Phänomen von aktiv bindungsängstlichen Menschen ist, dass am Anfang große Verliebtheitsgefühle für den Partner da sind, die jedoch – je verbindlicher die Beziehung wird –  plötzlich erlöschen. In meinem neuen Buch spreche ich vom „plötzlichen Gefühlstod“. Die Gefühle ersticken in Zweifeln, ob der Partner wirklich der oder die Richtige ist? Dahinter verbergen sich oft Verlustangst beziehungsweise die Angst vor Vereinnahmung. Dies ist den meisten Betroffenen jedoch überhaupt nicht bewusst.

Die passiven Partner hingegen verzweifeln daran, dass sie immer wieder an aktiv Bindungsängstliche geraten. Diese Fälle nehmen meines Erachtens zu, weil es heutzutage nicht mehr zur gesellschaftlichen Norm gehört, dass man verheiratet ist und bleibt. Früher haben sich die Dramen mehr innerhalb einer Ehe abgespielt und blieben somit auch oft hinter verschlossenen Türen. Die Probleme mit der Bindungsangst sind meines Erachtens nicht mehr geworden, sondern besser sichtbar.

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Verlustangst kann das ganze (Liebes)leben verhindern. Wie gut lässt sich Angst als Erwachsener überhaupt noch abbauen?

Die Verlustangst geht auf ein labiles Selbstwertgefühl zurück. Die Betroffenen meinen, dass sie so, wie sie wirklich sind, nicht liebenswert wären. Sie können also kein Vertrauen entwickeln, dass ein Partner wirklich bei ihnen bleibt. Aus mangelndem Selbstvertrauen können sie nicht fremdvertrauen. Wenn ich mich auf der passiven Seite befinde, also einem Partner hinterherlaufe, der sich nicht sicher an mich binden will, dann wird mein labiles Selbstwertgefühl immer und immer wieder bestätigt. Die passiven Partner müssen unheimlich viele Zurückweisungen und Kränkungen über sich ergehen lassen.

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