Warum wir öfter mit unserem Partner unter einem Baum sitzen sollten

Sie möchten einander nah sein und sich dabei als Teil eines großen Ganzen erleben? Dann setzen Sie sich mal wieder mit Ihrem Partner unter einen Baum

Kürzlich wanderten wir durch den Stadtpark als es anfing zu regnen. Nachdem wir ausdiskutiert hatten, unter welchen Baum wir uns bei einem Gewitter besser nicht stellen sollten (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: “Nach neuesten Erkenntnissen ist es nicht so, dass manche Baumarten seltener getroffen werden“), suchten wir Schutz unter einer Weide. Ein wunderschönes Exemplar mit dichter Krone. Der Wind ließ die Blätter rauschen, die Äste knackten, dazu das Prasseln des Regens über und um uns herum – die Natur performte uns einen Song. Wir saßen mit dem Rücken an den Baumstamm gelehnt, Hände haltend – und lauschten. Wir erlebten einen wirklich magischen Moment, dankbar, ihn gemeinsam teilen zu dürfen. Alles war voller Energie und wir hatten den Eindruck, unsere Batterien würden aufgeladen. Wer hätte gedacht, dass ein Baum eine Ladestation ist?

Liebe und Bäume gehören zusammen

Ich bin nun niemand, der abends rausgeht, einen Baum umarmt und sich dann doll dem Universum und dem ganzen Rest verbunden fühlt. Hinter dem Haus meiner Eltern begann der Wald. Als Kind hatte ich Fichte, Tanne, Ahorn und Kastanie satt, baute Baumhäuser und segelte in hohem Bogen mit dem Fahrrad über heimtückische Wurzelbögen, die es darauf angelegt hatten, Kniescheiben und Handflächen abzuhobeln. Will sagen, ich mochte schon immer Bäume, machte aber nie ein Trara draus.

Aber das sollten wir alle vermutlich mal wieder tun. Probieren Sie es aus. Umarmen Sie einen Baum. Das fühlt sich wirklich richtig gut an. Immerhin erleben Sie den Kontakt zu einem riesigen, lebenden Organismus, ja einem ganzen Biotop voller Lebewesen, das deutlich größer und älter als Sie ist. Zugegeben, das ginge auch mit einem Elefant oder einem Wal – ist aber wirklich sehr viel schwieriger umzusetzen. Der Hit ist, das gemeinsam mit Ihrem Partner zu machen. Liebe und Bäume gehören nämlich zusammen. Schon immer. In der Poesie wie in ländlichen Traditionen.

Das mit den Herzen in der Baumrinde stammt wohl übrigens von dem Brauch ab, dem Schwarm einen Maibaum vor die Tür zu legen, sozusagen die frühe Version der analogen Valentinskarte. Damit die Herzensdame wusste, welcher Verehrer sie da überhaupt anbalzte, ritzte er Namen und Herz in die Rinde. Das ist eine Erklärung, aber es finden sich dazu noch viele weitere: Von der vermeintlichen Ewigkeit des Baumes sollte so die Liebe profitieren. Sichtbarkeit und Vergänglichkeit. Alles also ein Symbol für die Unendlichkeit der Liebe. Oder eine kluge Marketing-Idee der Schweizer Taschenmesser-Industrie. Egal, es gab damals eben noch kein Internet und keine Couple-Fotos auf Instagram und Facebook, um der Welt zu zeigen: Wir sind ein Paar und glauben daran, dies noch sehr lange zu bleiben!

Ich möchte Sie keinesfalls auffordern, über Bäume im Wald oder im Stadtpark mit einem Messer herzufallen. Posten Sie lieber weiter Urlaubsbilder. Doch versuchen Sie es mal mit einem gemeinsamen Naturkurztrip unter einen solchen grünen Giganten. Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf. Denken Sie nach über den Kreislauf des Lebens, die eigene Sterblichkeit und natürlich das Wunder der Liebe, das allem Sinn gibt.

Und wenn Sie unbedingt mögen: Machen Sie davon ruhig ein Pärchen-Foto und posten Sie es.

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