So scheiße fühlt man sich vor einer Trennung

Nicht jede Trennung fällt demjenigen leicht, der sich trennt. Manchmal fühlt sich diese Person auch einfach nur hundeelend

Vor ein paar Wochen ist etwas passiert, das immer noch in mir nachhallt. Manchmal wache ich morgens davon auf. Irgendeine geheimnisvolle Macht in mir hatte dann wieder einmal aus dem Erlebten einen Traum geformt, der alles andere als schön war. Ich weiß nicht, wann ich das endlich loswerde.

Doch der Reihe nach.

An einem Dienstagabend rief mich Michael an, den ich noch aus Schulzeiten kenne. Ich kann nicht behaupten, dass wir beste Freunde waren, aber definitiv mehr als bloße Kumpels. „Ich habe ein Problem“, sagte er lakonisch und klang dabei elendig. Ich wartete, doch er wollte die gespannten Sekunden, in denen wir nichts sagten, nicht mit einer Erklärung füllen. „Soll ich vorbeikommen?“, stellte ich die einzig vernünftige Frage und hatte keine fünf Minuten später meine Regenjacke angezogen. Denn von Sommer vorm Balkon konnte nicht die Rede sein.

Seine kleine Bude vibrierte vor Anspannung. Etwas war im Busch; hier stimmte etwas ganz und gar nicht. Michael sah aus wie das personifizierte Unglück: blass, ausgezehrt, weniger diplomatisch ausgedrückt: einfach abgewrackt. „Ich will mich von Sandra trennen“, sagte er leise.

Sandra, das war jene hübsche Frau, die uns beide von einem gerahmten DIN-A3-Porträt aus anstrahlte; die Frau, mit der Michael seit drei Jahren zusammen war; die Frau, die endlich mal ein Volltreffer gewesen war, wie er es damals ausgedrückt hatte. Damals. Nach nur drei Jahren lag die Vergangenheit nun unendlich weit zurück. Ich schluckte. Fragen wollte ich nichts. Ich hatte es nicht kommen sehen und verstand es nicht. Ich schwieg. Das war Hilflosigkeit, weil ich einfach nicht wusste, was ich sagen sollte.

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