Warum „Slow Love“ etwas so Wunderbares ist

Wir kennen das aus Hollywood: Ein Blick und die große Liebe verändert das ganze Leben. Herzklopfen hin, Schmetterlinge her – gibt es das wirklich? Liebe passiert sofort, sagen die einen, Liebe entwickelt sich mit der Zeit, die anderen. Über das Phänomen der Slow Love

1000 Mal ist nichts passiert. Und von einem Tag auf den anderen sieht der Kollege ganz anders aus. Wenn Paare erzählen, wie und wann es gefunkt hat, dann waren nicht das Schicksal oder Amors Pfeil, sondern eher Kleinigkeiten ausschlaggebend: überraschende Verhaltensweisen, die plötzlich einen neuen Blick auslösten. Männer punkten auf Dauer mit liebevollem Umgang, Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Verbindlichkeit und Durchsetzungsvermögen. Frauen überzeugen durch ihren Optimismus und Humor.

Das behaupten zumindest neue Forschungen, die „Liebe auf den ersten Blick“ und „Slow Love” verglichen haben. Slow Love ist eigentlich ein altes Phänomen. Gerade im Berufsalltag – immerhin statistisch der zweit erfolgreichste Kuppler – ist es verbreitet, dass Kollegen sich eher auf den zweiten, dritten oder vierten Blick ineinander verlieben, die liebe sich mit der Zeit entwickelt und durch Vertrauen und Sympathie die Freundschaft einer Liebe weicht. In solchen Beziehungen ist eben nicht die erste sexuelle Anziehungskraft ausschlaggebend. Das ermöglicht, dass Paare sich finden, die beispielsweise unterschiedlich attraktiv sind.

Ob so die Zeit aus einem unattraktiven Mann einen heißen Typen machen kann? Die Forschung sagt ganz eindeutig: Ja! Was sexy oder attraktiv wirkt, können wir nicht gut steuern. Viele Paare berichten, dass sie sich zu Beginn nicht so aufregend fanden. Das kann sich ändern, wenn der andere etwas Unerwartetes tut, das plötzlich anziehend wirkt. Zum Beispiel im Meeting aufsteht und dem Chef Paroli bietet. Oder weil der Kollege sich am Feierabend sozial engagiert. Die Schönheit, die wir so entdecken, kommt dann wirklich „von innen“ und der Persönlichkeit. Die Gefühle entwickeln sich zwar langsam, aber heftig.  Das ist wohl, was Slow Love ausmacht: Attraktivität durch Vertrautheit.

2 Tipps für alle, die der Slow Love eine Chance geben wollen:

  • Es beginnt freundschaftlich, die Gefühle entwickeln sich langsam

Ihr Schwarm muss Vertrauen zu Ihnen aufbauen können und dazu gehört, Sie in unterschiedlichen Situationen zu erleben. Er lernt so immer neue, attraktive Seiten von Ihnen kennen und kann sich ganz langsam in Sie verlieben.

  • Vermeiden Sie die Kumpelfalle!

Ein wenig Prickeln muss sein. Das entsteht durch die Fantasie. Je länger Sie sich freundschaftlich kennen, umso weniger Raum bleibt für Neugier. Auch wenn Sie Vertrauen aufbauen, sollten Sie deshalb einige Dinge privat halten. Sie müssen nicht auf „geheimnisvoll“ machen, punkten Sie lieber über Ihre Persönlichkeit als über Ihre Lebensgeschichte. So können sich Gefühle mit der Zeit entwickeln, da eine gelungene Kombination aus Vertrautheit und Spannung zwischen Ihnen besteht.

4 Tipps für Slow-Lover, um die Beziehung zu genießen:

  • Romantik und Leidenschaft bitte

Paare, die sich länger kannten bevor sie eine Beziehung eingegangen sind, vermissen häufig die Leidenschaft – so wie sie in Hollywood-Filmen abläuft. Die ist jedoch der Dramaturgie des Film-Business geschuldet. Kümmern Sie sich nicht darum. Liebe ist vor allem Bindung – und nicht Kreislaufstörungen.

  • Slow Love Partner sind treu

Sie fürchten, Ihr viel attraktiverer Partner würde Sie wegen jemandem verlassen, der besser zu ihm/ihr passt? In der Paarberatung sagen genau diese attraktiven Menschen, dass sie durchaus zu schätzen wüssten, warum sie mit ihrem Partner zusammen sind und ihn oder sie ganz sicher nicht tauschen würden. Eine Beziehung, die auf langem Vertrauen basiert, eine Liebe auf den zweiten Blick, sozusagen, geben Menschen nicht einfach für schnellen, oberflächlichen Spaß auf.

  • Miesmacher ausblenden

Das Umfeld von Slow Love-Paaren reagiert oft mit Skepsis – wegen Alters- oder Attraktivitätsunterschieden. Das sind dann meist Menschen, die fragen: können sich Gefühle mit der Zeit entwickeln? Und diese mit „nein“ beantworten, da sie selbst auf die Liebe auf den ersten Blick hoffen (und warten). Lassen Sie die ruhig weiter warten, während Sie eine liebevolle Beziehung führen.

  • Die Chancen stehen bestens

Machen wir uns nichts vor: Jugendlichkeit als Attraktivitätsmerkmal lässt bei jedem Menschen nach. Slow Love-Paare binden sich häufig erst später (statistisch in Deutschland ab Mitte 30) und solche Ehen, bei denen Liebe mit der Zeit entsteht, halten laut Statistischem Bundesamt länger und werden seltener geschieden.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Slow Love – auch wenn ich mir damals nicht bewusst war, dass man das so nennt – funktioniert! Mein Freund und ich waren ein ganzes Jahr lang befreundet, bevor es gefunkt hat. Und es war tatsächlich so, gewisse Verhaltensweisen lassen einen Menschen plötzlich in ganz anderem Licht erscheinen und das Herz fängt an zu klopfen.

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