Ich sorge mich ständig um dich

Je stärker die Liebe zu einem Menschen, umso stärker ist die Angst um ihn. Ich könnte also schlussfolgern: Liebe = Angst. Da ist etwas dran. Je mehr Liebe ich empfinde, desto mehr Angst habe ich: dass diese Liebe nicht anhält, dass ich meinen Schatz wieder verliere, dass es ihm (oder mir) nicht gut geht. Es ist ein ganz natürlicher Reflex. Er lässt sich auf alles übertragen, das mir viel bedeutet. Der Unterschied zwischen Liebe und Angst ist nur, dass Liebe ein gutes Gefühl ist, das mich pusht und glücklich macht, während Angst mich nur lähmt und mir den Bauch verknotet.

Wie viel Angst und Sorge um den Partner gehören zur Liebe?

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass man sich nicht auf die Angst konzentrieren soll, sondern auf die Liebe – also auf das positive Gefühl. Dann soll sich die Angst ganz von allein in Luft auflösen. Das funktioniert nicht. Habe ich ausprobiert. Negative Gefühle sind leider immer mächtiger als positive. Deshalb prallen auch jegliche Aufmunterungsversuche an einem ab, wenn man in Liebeskummer badet.

Ich schlage die Zeitung zu. Ich kann mich doch nicht auf die Artikel konzentrieren. Langsam gehe ich zum Fenster und schaue in die ruhige Landschaft. Irgendwo da draußen bist du gerade. Ich hoffe, es geht dir gut und du kommst unversehrt zurück zu mir. Und bitte, bitte: Schau nach rechts und links. Pass auf dich auf. Ich brauche dich noch.

Und natürlich ist alles gut gegangen

Den Rest des Tages verbringe ich damit, nicht zu viel Zeit zum Nachdenken zu haben. Ich schaue ein paar Folgen meiner Lieblingsserie, gehe shoppen, treffe mich mit meiner besten Freundin (die mich natürlich für meine Überbesorgtheit auslacht).

Als ich ein paar Stunden später deinen Schlüssel im Türschloss höre, fällt mir ein Stein vom Herzen. Ich springe auf und umarme dich fest. „Heeey“, rufst du fröhlich. „Alles ok?“ Ich schaue dich aus glücklichen Augen an. „Ja, du hast mir nur gefehlt. Und du hast deine Geldbörse und dein Handy vergessen.“ Du ziehst eine Grimasse. „Ja, so blöd! Ich wollte sie noch greifen, aber dann war sie irgendwie weg. Hattest du einen schönen Tag?“ Ich nicke nur und schicke einen Dankesruf gen Himmel. Es ist alles gut gegangen. Ich habe mir unnötig Sorgen gemacht. Du bist bei mir. Bloß gut!

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