„Machst du schon wieder Drama?“ Über emotionale Balance in Beziehungen

Nur nicht streiten, weil er sonst mauert oder den Raum verlässt. Immerzu Frust aufstauen – bis die Explosion nicht mehr zu verhindern ist. beziehungsweise-Autorin Stefanie Wilke hatte bei ihrem Ex größte Schwierigkeiten mit der emotionalen Balance. Und deshalb ist er ja auch heute ihr Ex

Gefährliches Schweigen. Einschlafen ohne Körperkontakt. Zum Abschiedskuss die Wange statt der Mund.

Es ist nicht das, was wir in Beziehungen sagen, sondern das, was wir nicht sagen: Zurückgehaltene Informationen über Emotionen lösen Störgefühle aus, stauen Frustration – bis es schließlich zur Entladung kommt.

„Machst du schon wieder Drama?“, pflegte dann mein Ex zu drohen, wenn ich mich nicht beachtet oder geachtet fühlte. Und ja, er ist nicht zufällig mein Ex. Denn wir haben es nicht hinbekommen, die Balance zwischen Anpassung und Selbstbehauptung in unserer Beziehung. Immerhin haben wir uns über drei Jahre lang aneinander abgearbeitet. Und da war sehr viel Anziehung und der Wunsch, es vom ICH in ein einigermaßen harmonisches WIR zu schaffen. Und der Versöhnungs-Sex war immer ganz wunderbar. Manchmal glaubte ich, wir stritten nur so heftig, um anschließend ebenso leidenschaftlich übereinander herzufallen.

Er ist dann so aus der Beziehung raus gegangen wie er es immer machte, wenn wir Streit hatten: Mitten in der Diskussion aufstehen und rausgehen, meine Wohnung verlassen, das Smartphone auf Flugmodus stellen, tagelang Tauchstation. Am Ende gab es nicht einmal ein Trennungsgespräch, kein: „Wir machen Schluss, wir quälen uns nur gegenseitig, bitte verzeih mir (…)“. Mein Ex war – bei all der Streiterei – tatsächlich konfliktscheu. Und ich war nicht in der Lage, über meine Bedürfnisse und Wünsche zu sprechen. Jedenfalls nicht rechtzeitig. Mein Timing war miserabel. Ich war tatsächlich zu angepasst und klammerte. Ich wollte ihm gefallen, suchte ständig und immer seine Nähe und lebte dabei hübsch an mir selbst und meinen Wünschen vorbei.

Offen gestanden war ich eine Beziehungs-Streberin und geriet dabei aus der persönlichen Balance. Wenn mich etwas an meinem Liebsten nervte, sprach ich es nicht direkt und unverblümt an. Beispielsweise seine Angewohnheit mich bei Telefonaten spüren zu lassen, dass er nicht in Stimmung war zu sprechen. Oder er unsere Verabredung fürs gemeinsame Wochenende „wegen Stress beim Job und Tinnitus“ kurzfristig über den Haufen warf. Ich kuschte anstatt ihm offen zu sagen, was ich davon hielt. Nämlich nichts. Vielmehr war ich abwechselnd traurig und stinksauer. Aber ich klammerte – statt Raum für mich zu schaffen und ihm den nötigen Raum zu geben. Vor lauter Angst ihn zu verlieren, vernachlässigte ich meine Bedürfnisse, fühlte mich seelisch angezählt.

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