Die Drama-Queen und ich

Eine lebendige Beziehung benötigt Spannung. Wenn die jedoch zu theatralisch und dramatisch inszeniert wird, bleibt oft nur ein vorzeitiges Finale. Thorsten Wittke über mehr Drama als nötig

Mir hätte das damals eine Warnung sein sollen. Als ich ihre Schwester und ihren Bruder kennenlernte, war das Erste, was sie mir abends beim Bier mitteilten: „Wenn unsere Schwester früher, wenn wir mit der Familie mit dem Auto gefahren sind, nicht in der Mitte sitzen durfte, dann hat sie sich aus Protest ins Auto übergeben.“ Ich habe das für eine Familienanekdote gehalten und lauthals gelacht. Die versteckte Message in diesem einem Satz blieb mir verborgen. Es sollte wohl eine Warnung sein. Das ist mir aber erst viel später aufgegangen. Zu dem Zeitpunkt, als es gesagt wurde, hatte ich die rosarote Brille auf und war bis über beide Ohren verliebt. Hätte ich mal besser zugehört und die Beine in die Hand genommen, mein Leben wäre weit weniger anstrengend gewesen. Was nicht heißen soll, dass ich bereue. Es war immer spannend, immer aufregend, immer voller Liebe – aber eben auch sehr, sehr anstrengend.

Drama ist ja auch wunderschön. Menschen, die zu Extremen neigen, tun das in beide Richtungen. Ich habe mich in meinem ganzen Leben nicht so geliebt gefühlt. Wer hört das nicht gerne: Dass man der ist, auf den sie das ganze Leben gewartet hat. Dass alles davor nur Vorbereitung für diese Beziehung war. Ich wäre der Einzige, den sie heiraten würde, obwohl sie doch geschworen hat, niemals zu heiraten. Auch im Bett wäre ich das Beste, was ihr je passiert ist. Nach mir würde sie sich nie mehr mit einem anderen Mann einlassen können, eher ginge sie in ein Kloster.

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