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Zwischen Alpha und Softie – der Balanceakt für Väter

Wie ist es für Männer, wenn sie Väter werden? Wie fühlt es sich für sie an, dass Mutter und Baby eine so enge Bindung haben und wie können sie selbst eine vertraute Beziehung zu ihrem Baby herstellen? 

Ralf Specht ist selbst Vater und hat als Geschäftsführer von Väter e.V. viele Jahre Papas bei Alltagsfragen beraten. Im Interview mit ElternLeben.de, der Online-Plattform mit persönlicher Beratung für Eltern, berichtet Ralf Specht, warum das Vatersein für Männer nicht einfach ist.

Aus einem Liebespaar werden Eltern. Wie fühlt sich das für Männer an?

Ralf Specht: Neben der unglaublichen Bereicherung bringt ein Kind auch Herausforderungen. Viele Männer merken, dass ihnen etwas fehlt, wenn der Alltag eingekehrt ist: ihre Frau. An deren Brust, die für sie eine hohe Symbolik hat, liegt nun das Baby. Rational ist das für sie vollkommen in Ordnung. Unterbewusst irritiert sie das. Sie spüren ambivalente Gefühle

Was hat sich an der Vaterrolle verändert?

Die meisten Väter befinden sich heute in einem Dilemma zwischen ihren Ansprüchen im Job und für die Familie. Sie wollen ihre Kinder aktiv und engagiert begleiten, haben aber eigentlich keine Zeit dafür, da 90% der Väter in Vollzeit arbeiten. Dafür gibt es auch finanzielle Gründe, weil Männer im Schnitt mehr verdienen als Frauen. Gleichzeitig entspricht die Rolle als Haupternährer bei vielen Vätern auch ihren Wünschen und ihrem Rollenbild.

Bei jüngeren Elternpaaren lassen sich hier jedoch zunehmend Veränderungen beobachten: Sie entscheiden immer mehr individuell und partnerschaftlich, wie sie die Erwerbs- und Familienarbeit untereinander aufteilen. Für jüngere Männer ist es meist kein Problem, wenn ihre Partnerinnen arbeiten und genau so viel Geld verdienen wie sie.

Es ist wirklich etwas in Bewegung gekommen. Männer möchten ihre Vaterrolle anders ausfüllen, als es ihnen ihre eigenen Väter vorgelebt haben. Der überwiegende Teil der Väter möchte beides: Erfolg im Beruf und gemeinsame Zeit mit der Familie. Heute verbringen Väter ungefähr dreimal mehr Zeit mit ihrem Nachwuchs als ihre eigenen Väter. Und zwar nicht mehr nur – wie früher – wenn das Kind bereits fünf Jahre alt ist. 2007 haben nur 3% der Väter Elternzeit genommen. Heute sind es über 30%, Tendenz steigend. Und die beiden Vätermonate nehmen sogar fast 80%. Die Entwicklung zeigt, dass es für Männer selbstverständlicher wird, sich schon früh am Erziehungsprozess zu beteiligen: Sie sind bei der Geburt dabei und engagieren sich von da an für ihre Kinder und die Familie. Sie nehmen Elternzeit, um viel vom Gefühlsleben und Alltag ihrer Kinder mitzubekommen. Männer, bzw. Paare, die eine solche partnerschaftliche Erziehung haben, sind gewissermaßen Innovatoren. Sie setzen um, was anderen als Beziehungsmodell vorschwebt.

Wenn nun durch z.B. den Ausbau der Kitaplätze und aktuelle Gesetzesvorhaben bessere Möglichkeiten geschaffen werden, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, wird es aller Voraussicht nach immer normaler werden, dass sich Männer in der Familie engagieren und im Gegenzug weniger Frauen ihre Karriere der Familie ‚opfern‘ müssen.

Eine wirkliche Gleichberechtigung gibt es allerdings immer noch nicht, denn Mütter verbringen durchschnittlich immer noch mehr als doppelt so viel Zeit mit den Kindern. Männern wird in der Arbeitswelt oft Skepsis entgegen gebracht, ob sie nach der Elternzeit noch belastbar sind. Deshalb bezweifeln Männer häufig, dass so ein Weg tatsächlich für sie gangbar ist. Viele Männer berichten auch, dass es ihren Partnerinnen schwerfällt, dem Vater Erziehungskompetenz zuzutrauen. Die Männer fühlen sich oft kontrolliert oder sogar bevormundet.

Warum kämpfen Männer nicht mehr für ihre Karriere als Vater?

Vielleicht, weil die aktive Vaterrolle gesellschaftlich noch nicht so anerkannt ist. Und innerhalb der Beziehung stehen Männer häufig nicht zu ihren emotionalen Bedürfnissen. Beispiel: Die Mutter die ihr Kind nach der Geburt im Arm wiegt. Sobald der Vater das Kind nimmt, wird kommentiert: „Pass auf, halt das Kind so, sonst fällt es runter.“

Für den Vater ist es jetzt wichtig, zu sagen „Entspann dich, ich weiß, was ich tue. Mach du es auf deine Weise, ich mache es auf meine“ – doch das bleibt oft aus. Dabei sind Väter von Natur aus genauso befähigt, ein Kind zu wiegen, mit allem Notwendigen zu versorgen. Sie sollten ihren eigenen Weg in der Begleitung ihres Kindes gehen. Machen sie alles so wie die Mutter, merken sie irgendwann, dass sie nicht bei sich sind. Oft lassen sie dann wieder davon ab. Davor schützt nur der eigene gefundene Weg.

Wo liegen Stolpersteine und Chancen für die neuen Väter?

Es fehlen die Vorbilder. Die Väter wissen zwar, dass sie es anders machen wollen als ihre Väter, aber sie wissen nicht, worin dieses „Andere“ besteht. Neue Verhaltensweisen zu entwickeln und auszuprobieren erfordert Mut. Väter müssen offen sein für Veränderungen, wozu auch gehören kann, beruflich mal in der zweiten Reihe zu stehen.

Väter, die sich in der Familie engagieren, übernehmen dabei auch ganz selbstverständlich die damit verbundenen sozialen Werte, wie Empathie etc. Das gleiche gilt für Frauen, wenn sie mehr Zeit im Job verbringen. Werte und Wertvermittlung sind heute weniger geschlechtsbedingt als vielmehr an die Tätigkeit und die Funktion gebunden. Es ist jetzt nicht mehr unbedingt der Vater, der für das Kind besondere „Highlights“ veranstaltet, weil er so wenig zuhause ist. Männer kuscheln heute wesentlich mehr mit ihren Kindern als früher und Frauen sind auch für die Bereiche Toben und Abenteuer zuständig.

Kinder brauchen Schutz und Obhut. Gleichzeitig sollte aber auch jemand da sein, der sie auf dieser Grundlage herausfordert, der sie einfach klettern lässt und nicht immer gleich zur Vorsicht mahnt. Wenn beides da ist, dann wird das von den Kindern sehr positiv erlebt und sie können sich gut entwickeln. Wer welchen Teil übernimmt, ist für die Kinder nicht wichtig. Natürlich können diese beiden Rollenfacetten auch von einer Person verkörpert werden. Dies zeigt sich häufig bei Alleinerziehenden, die fast automatisch und intuitiv beide Rollenanteile übernehmen. Wichtig ist, dass Eltern nicht in einen Wettstreit darüber treten, welche Orientierung wichtiger ist. Das schadet Kindern eher. Kinder brauchen beides. Wenn Eltern das für sich anerkennen, profitieren alle Beteiligten davon.

Gibt es nicht doch auch einige geschlechtsbedingte Unterschiede?

Nachgewiesenermaßen wirken hormonelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen auch auf das Erziehungsgeschehen ein. Männer – und damit auch Jungen -sind beispielsweise durch ihren höheren Testosteronspiegel häufig mehr auf Bewegung und Rangeln ausgerichtet. Insofern wird sich das auch auf die Kinderbetreuung auswirken. Aber es gibt eben „solche“ und „solche“ – bei Männern und bei Frauen wie auch bei Mädchen und bei Jungen. Das, was vielfach als männliche Haltung beschrieben wird, können Frauen auch und das, was als weibliche beschrieben wird, können Männer ebenfalls. Es ist wichtig, hier seinen eigenen Weg zu finden und nicht einfach das zu übernehmen, was andere Männer oder auch die Partnerin für richtig hält.

Von einem modernen Vater wird heute viel verlangt – wie können Männer mit dem Erwartungsdruck umgehen?

Nicht alles kann immer gut und sofort gelingen. Das gilt auch für die Ansprüche an das eigene Vatersein. In diese Rolle muss Mann hineinwachsen, immerhin haben die meisten heutigen Väter kein konkretes Vorbild für ihr Handeln. Väter sollten entsprechend keinen Perfektionismus an den Tag legen und sich neugierig auf den Weg machen. Sich mit anderen auszutauschen kann hierbei sehr hilfreich und entlastend sein. VÄTER e.V. beispielsweise bietet in Hamburg ein vielfältiges Angebot, etwa einen offenen Treff für Väter in Elternzeit oder diverse Vater-Kind-Aktivitäten. Diese Veranstaltungen geben Männern die Möglichkeit, sich über Vaterschaft, Beruf und Partnerschaftsthemen auszutauschen – ohne dass es darum geht ‚Ich habe ein Problem‘. Ein solcher Austausch wird von den meisten als bereichernd und hilfreich erlebt und kann dazu beitragen, die Herausforderungen des neuen Lebensabschnittes zu erkennen und zu meistern.

Zu diesen Herausforderungen gehören auch widersprüchliche Rollenerwartungen, mit denen Männer und Väter heute zu tun haben. Untersuchungen belegen beispielsweise, dass Frauen heutzutage den sogenannten „Alpha-Softie“ bevorzugen, d. h. einen Mann, der sowohl die empathischen Fähigkeiten besitzt und Kontakt zum Kind hat, aber auch ein gewisses Männlichkeitsideal zeigt: Erfolg im Beruf, ein klares und dominantes Auftreten. Hier ist es für Männer entlastend, sich die Widersprüche bewusst zu machen. Es kann gar nicht alles funktionieren.

Wichtig ist der Dialog zwischen den Partnern, denn gerade die Elternschaft bietet die Chance für beide, sich weiterzuentwickeln – als Paar, aber auch in ihrer Männlichkeit und Weiblichkeit.

Dieser Artikel ist zuerst auf Elternleben.de erschienen.
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