Ruhe und Freiheit – dank Ehering

Einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden … beziehungsweise-Autorin Katharina Reinecke erlebt mit Ehering keine Gefangenschaft, sondern eine ungeahnte, neue Freiheit

Allein reisen, alleine in Restaurants oder Bars gehen – das sind ganz besondere Vergnügen, die ich früher sehr genossen habe und auch jetzt noch angenehm finde. Klar ist es am schönsten, mit dem Liebsten zusammen die Welt zu entdecken oder über Stunden bei Gesprächen über Gott und die Welt in einer Cocktailbar zu versacken, aber jeder, der schon allein unterwegs war, weiß, wie angenehm es sein kann, vor sich hin träumend bei einem Drink ganz für sich Gedanken zu spinnen und die Menschen um sich herum zu beobachten.

Erzähle ich davon, ernte ich oft die Frage: „Du traust dich, als Frau allein in einer Bar zu sitzen?“ oder auch „Du traust dich, als Frau allein zu reisen?“ – Ja, warum auch nicht, antworte ich dann, weiß aber natürlich, dass die Realität oft anstrengend ist.

Denn wann immer ich in gemütlicher Versunkenheit, schon einen leichten Rausch atmend, allein an einem Bartresen saß, gab und gibt es immer einen Mann, der mich vor allem als Gelegenheit sieht, sich den Abend erotisch zu vertreiben, oder einen plötzlichen Beschützerinstinkt spürt, der ihn treibt, mich bis zu mir nach Hause zu begleiten. Es gehört jedenfalls zu den scheinbar unerschütterlichen Naturgesetzen, dass man als Frau abends allein niemals ungestört bleibt. Die Männerwelt geht wohl davon aus, dass man dort nur sitzt, weil man jemanden sucht, der einem das Bett wärmt oder die Hand hält.


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