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Kind, Job & Co. unter einen Hut bekommen? Wie rote Ampeln helfen können!

Wie Mütter zwischen Kita, Karriere, Beziehung und Haushalt etwas mehr Zeit für sich finden können, verrät Ihnen dieser Gastbeitrag von ElternLeben.de. Das Portal bietet Online-Beratung, praktische Handbücher und hilfreiche Artikel von der Schwangerschaft bis zum Familienalltag mit Schulkindern

Ich möchte mal Schauspielerin werden! Das ist ein bekannter Wunsch vieler Mädchen und ein Klassiker – neben Sängerin und Prinzessin, wohlgemerkt. Vielleicht kennen Sie aus Ihrer Vergangenheit auch diese kindliche Vorstellung der berühmten Schönheit, die ihre Rollen mit Leichtigkeit dahintänzelt und nebenbei noch einen Haufen Insta-Fans hat. Deren Leben nur strahlend ist und deren entzückende Kinder wie eine Zugabe des Schicksals wirken, die nebenbei und scheinbar mühelos groß werden.

Damals haben Sie nicht geahnt, dass Sie als Mama tatsächlich zwischen gefühlten hundert Rollen hin und her switchen müssen, und zwar auf der Bühne des Lebens. An manchen Tagen fühlen sich Mütter tatsächlich wie die Hauptdarstellerin, gesteuert durch ein fremdbestimmtes Drehbuch.

Volle Windeln und leerer Magen

Meist ist der Mütter-Alltag frei von Glamour und dafür voller Stress. Was machen Mütter dann noch für sich selbst? Meist nicht viel. Mit Kleinkindern wird der ganze Tag und manchmal auch die Nacht zur To-Do-Liste: Das Essen fürs Kind will gekocht sein, der gesamte Haushalt gemacht, die Beziehung zum Partner gepflegt, überhaupt zu Freunden, die vorher mal wichtig waren, aber mindestens zur Familie, und der eigene Job soll auch nicht zu kurz kommen. Dann gibt es viele Dinge, die täglich angesteuert werden müssen: Krippe und Kita – pünktlich vor der Arbeit und pünktlich nach der Arbeit; außerdem Spielplätze, Omas, Opas und auch noch Kinderärzte. Dazu kommen tägliche, knallharte Fakten wie Windelberge, volle Waschmaschinen, in denen die eigenen Sachen keinen Platz mehr haben, leere Kühlschränke, leere Mägen (außer dem Kindermagen natürlich) und mitunter auch mal Leere im Kopf, ausgelöst durch Schlafdefizit. Nicht zu vergessen die Partnerschaft, die ja die Kleinkinderzeit überleben soll, was schwierig ist, wenn auch nachts im Bett noch der nächste Tag geplant wird.

Das klingt vielleicht ernüchternd, denken Sie jetzt. Aber – und das kennen Sie ganz bestimmt auch – dafür ist ja das Herz voll von Liebe für die Kleinen. Es quillt permanent über und das gibt Ihnen Kraft. Jeder Tag bringt neue Glücksmomente und lässt Sie staunen und schmunzeln.

Dennoch kann es schon mal passieren, dass Mütter bei all den Rollen, die sie zu erfüllen haben, hin und wieder überfordert oder erschöpft sind. Geistig nicht unbedingt, aber körperlich. Gerade im urbanen Raum, in dem so viele junge Frauen leben, gibt es den rettenden Familienclan eine Tür oder Straße weiter nur noch selten. Meist müssen sich Mütter ihr Netzwerk selbst aufbauen und lernen, oft allein zurechtzukommen.

Wellness-Stress ist keine Lösung

Kein Wunder, dass sich inzwischen ein ganzes Dienstleistungsgewerbe mit seinen Angeboten auf die Zielgruppe gestresster Mütter konzentriert: Thermalbäder, Massagen, Walking-Gruppen, Floating mit Unterwassermusik, unzählige Yogakurse, Spa-Einrichtungen und so weiter.

Aber wie geht das ohne die wichtigste Voraussetzung dafür – ohne Zeit? Bevor die wenigen freien Minuten am Tag zum Wellness-Stress werden, in denen die gestresste Mama verzweifelt versucht, in zwanzig Minuten Schwimmen zu gehen, eine Schlammpackung und eine Massage abzugreifen und noch kurz in die Sauna zu hüpfen, wäre es doch schlauer die paar freien Minuten EFFEKTIV zu nutzen. Nämlich gar nicht. 

Nichtstun ist gut fürs Gehirn und die Gesundheit

Nanu – ist das nicht ein Widerspruch, fragen Sie sich? Nein, nicht, wenn Sie wissen, wie das geht. Wir schildern hier ein paar Beispiele, die Ihnen genügend Anregungen bieten werden, um Ihre eigenen nicht genutzten Zeiten zu suchen und zu finden.

Das bedeutet zunächst einmal, einen Freiraum entstehen zu lassen, der nicht gefüllt wird, schon gar nicht mit einem strammen Wellness- oder Freizeit-Programm. Das ist die erste Hürde, die Sie nehmen müssen: Finden Sie Ihr eigenes Tempo und bestimmen Sie selbst, was für Sie entspannend ist und erleben Sie, wie wertvoll Nichtstun sein kann.

Es gibt verschiedenste Untersuchungen zum Thema Nichtstun und wie die Gesundheit davon profitiert. Die Hirnforschung bestätigt: Nichtstun ist gut fürs Gehirn, denn es sortiert Dinge neu, kodiert um, speichert ab und schafft neue Verbindungen. Das ist sehr wichtig, um geistig gesund zu bleiben. Im Gehirn werden beim Nichtstun überhaupt erst bestimmte Bereiche aktiv, die dann ihre wichtige Arbeit aufnehmen können. In einer neurowissenschaftlichen Studie an der Duke University konnte nachgewiesen werden, dass das Gehirn in einem bestimmten Bereich erst bei Ruhe neue Zellen bildet und sich regeneriert. Nachzulesen hier: Is silence golden? Effects of auditory stimuli and their absence on adult hippocampal neurogenesis. Das deutet darauf hin, dass der Körper dringend ab und zu mal einen kurzen Break nötig hat, in dem die Nervenzellen nicht permanent von Befehlen befeuert werden, was als nächstes zu tun ist. Energie schöpft sich immer wieder selbst, aber aus der Ruhe, nicht aus dem Dauerbetrieb.

Die eigene Mitte finden? Die Ampel hilft.

Dösen ist so etwas. Eigentlich nur ein anderes Wort für Ruhe finden oder Löcher in die Luft gucken, wie Astrid Lindgren das einmal gesagt hat. Muße gehört auch zu diesen wunderbar altmodischen Begriffen. Noch zu Grimms Zeiten war Muße tun eine der edelsten Handlungen, in denen man zu sich selbst kam. Genau das brauchen wir heute auch wieder. Besonders wir Mütter brauchen kleine Auszeiten, in denen wir zu uns selbst kommen. In denen wir spüren, dass wir noch da sind, dass da am Kopf, in dem ununterbrochen reges Treiben herrscht, auch noch etwas dranhängt – nämlich ein Körper. Wenn dieser Körper nur ab und zu einen Moment hätte, um gespürt zu werden, wäre er schon dankbar und würde viel weniger hektische Bewegungen machen, die wiederum im Kopf nur noch mehr Stress auslösen. Wetten? Ein bekannter Zen-Meister hat zum Beispiel rote Ampeln als das Wellnesssymbol schlechthin bezeichnet. Wenn Sie schon mal völlig abgehetzt im Auto unterwegs gewesen sind, wissen Sie, dass jede rote Ampel wirkt wie ein rotes Tuch auf einen Stier. Anstatt die Sekunden im Kopf ticken zu hören und auf den Nägeln herum zu kauen, weil eigentlich noch viel mehr erledigt sein sollte in der letzten Stunde, könnten Sie dieses rote Licht aber auch als Entspannungszeichen sehen. Diese freie Minute kann zum NICHTSTUN genutzt werden, d.h. keine Emails checken, keine WhatsApp-Nachricht aufnehmen, nicht auf den Einkaufszettel schielen und vor allem nicht überlegen, was heute noch alles getan werden muss. Sondern: die Umgebung beobachten, Bäume oder Menschen am Straßenrand wahrnehmen, durchatmen.

Machen Sie ein Date mit sich selbst!

Sie können in dieser geschenkten Freizeit zur Abwechslung mal sich selbst treffen, wie eine gute alte Freundin. Und spüren, ob die Füße noch dran sind, ob sich alles wohl fühlt und selbst wenn nicht, dann einfach bemerken, dass sich nicht alles gut anfühlt. Sie können sich selbst zur Seite stehen, für sich da sein und sich einen Moment Gehör bzw. Gespür schenken. Das klingt so einfach und ist es auch! Eine Minute an der Ampel, egal ob zu Fuß, zu Rad oder im Auto kann ein Geschenk sein, genauso die Fahrt im Aufzug ins Büro. Ja, sogar das Einräumen der Spülmaschine kann ein Treffen mit sich selbst sein, in dem Sie sich einen Moment der Zuwendung und liebevolle Aufmerksamkeit schenken, egal was drum herum passiert. Und nach einem kurzen Treffen mit sich selbst sind Sie nicht mehr ganz so neben sich, sondern bei sich.

Wichtig ist, dass Sie lernen, sich selbst zu spüren. Nutzen Sie dafür ganz alltägliche Situationen. Es fängt z.B. damit an, dass Sie sich beim Wäsche aufhängen bewusst werden, dass Sie Wäsche aufhängen – und nur das –, also nicht mit den Händen bei der Wäsche und mit dem Kopf beim nächsten Kinderarztbesuch sind. Oder dass Sie sich beim Essen mal gönnen, das Essen richtig zu schmecken und nicht nebenbei WhatsApp-Nachrichten beantworten. Ihr Körper wird es Ihnen danken und sich bereits in dem Moment entspannen, in dem Sie bei ihm sind. Sie können auch das nächste Mal, wenn Sie die Haare Ihres Kindes kämmen, ganz bewusst fühlen, wie weich und seidig es sich anfühlt. In diesen Momenten schöpfen Sie automatisch Kraft. Und wenn Sie sich im alltäglichen Terminstress mal selbst verlieren, macht das nichts: Sie können in jeder Minute mit Ihrer Aufmerksamkeit wieder zu sich selbst zurück kommen, so als würden Sie nach Hause kommen. Nutzen Sie diese kleinen Glücksmomente, denn sie helfen Ihnen, sich nicht so leicht in all den Rollen, die es den ganzen Tag zu erfüllen gilt, zu verlieren.

Es sind manchmal die kleinen Dinge, die Großes bewirken. Genau wie unsere Kinder, die zwar klein sind, aber unser Leben vollkommen verändert haben. Wenn also nicht die rettende Oma oder Tante nebenan ist, die beim Tagesgeschäft mit Kind und Job und Familie schnell mal einspringt, suchen Sie umso intensiver die kleinen Momente am Tag, damit Sie zu sich kommen und Kraft tanken können. Und wer zu sich kommt, dem fällt vieles leichter und auch leichter ein. Etwa, wo der Einkaufszettel steckt, was darauf noch fehlt, welche Termine heute noch abzuklappern sind oder dass die Freundin Geburtstag hat und sich über einen Anruf freuen würde. Und dass es Tage gibt, an denen die Kinder auch mal schlecht gelaunt aus der Kita kommen und Sie trotzdem nicht gleich in Aktionismus verfallen müssen, um die schlechte Stimmung mit straffem Freizeitprogramm auszugleichen.

Sie sind belastbarer, wenn Sie Ihre Mitte gefunden haben und wissen, wie Sie immer wieder zur Ruhe kommen können. Ihre Familie wird dadurch auch entspannter. Etwas Übung gehört dazu, um das LASSEN zu lernen. Und deshalb ist die nächste rote Ampel schon reserviert: zum Nichtstun.

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